Nathan Weiß
Dr. Nathan Weiß (1851–1883) nimmt in Sigmund Freuds Brautbriefen an seine Verlobte Martha Bernays eine besondere und tragische Rolle ein.
Die Verbindung zu Sigmund Freud
Nathan Weiß war ein geschätzter Wiener Neurologe und Kollege Freuds am Allgemeinen Krankenhaus in Wien.
Der Vorfall und der historische „Brautbrief“
Am 13. September 1883 nahm sich Nathan Weiß im Alter von 32 Jahren durch Erhängen das Leben – nur kurz nach der Rückkehr von seinen Flitterwochen und wenige Monate nach seiner Ernennung zum Leiter der Nerven-Ambulanz.
Dieser Vorfall erschütterte Freud zutiefst. Drei Tage später, am 16. September 1883, schrieb Freud an Martha Bernays einen der längsten und berühmtesten Briefe aus der gesamten Sammlung der Brautbriefe:
Analyse des Suizids: Freud versucht in diesem langen Brief erschüttert und zugleich präzise, die psychologischen Motive hinter der Tat seines Freundes aufzuarbeiten.
Frühe psychoanalytische Ansätze: Der Brief gilt in der Freud-Forschung als ein frühes Dokument von Freuds Fähigkeit zur tiefenpsychologischen Selbst- und Fremdanalyse, noch bevor er die Psychoanalyse als Theorie und Methode formell begründete. Freud reflektiert darin über das Zusammenspiel von Ehrgeiz, persönlichem Druck und innerer Verzweiflung.
Existenzielle Reflexion: Für Freud war der Tod des erfolgreichen, aber innerlich zerrütteten Kollegen auch eine persönliche Konfrontation mit den eigenen Ängsten vor dem beruflichen und gesellschaftlichen Scheitern sowie mit den Belastungen der langen Verlobungszeit mit Martha.
Bedeutung in der Gesamtausgabe
In der kritischen Gesamtausgabe von Freuds Brautbriefen (herausgegeben im S. Fischer Verlag) gehört das Kapitel um den September 1883 mit der Abhandlung über Nathan Weiß zu den eindrücklichsten Zeitzeugnissen.
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