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Woher stammt der Ausdruck „seine Hände in Unschuld waschen“

  Der Ausdruck   „seine Hände in Unschuld waschen“   hat seinen Ursprung in der Bibel und ist eng mit der Geschichte von Pontius Pilatus verbunden, dem römischen Statthalter, der über die Verurteilung Jesu Christi entschied. In  Matthäus 27,24  heißt es, dass Pilatus, nachdem er sich mit der Entscheidung über Jesu Schicksal schwer tat, öffentlich seine Hände wusch und sagte: „Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; seht ihr zu!“ Damit wollte er symbolisch zeigen, dass er keine Verantwortung für die Verurteilung und Kreuzigung Jesu übernimmt. Das Händewaschen steht hier also für das Ablegen von Schuld oder Verantwortung. Heute wird der Ausdruck verwendet, wenn jemand versucht, sich von einer Schuld oder Verantwortung freizusprechen, oft auch, um sich der Konsequenzen einer Entscheidung oder Handlung zu entziehen. Kurz gesagt: Der Ausdruck stammt aus der biblischen Geschichte von Pontius Pilatus und symbolisiert den Versuch, sich von Schuld oder Verantwor...

Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt: Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts“ Abschnitt Imperien und Nationalstaaten

1. Das 19. Jahrhundert als „Jahrhundert der Imperien“ Obwohl das 19. Jahrhundert oft als das Zeitalter des Nationalismus bezeichnet wird, betont Osterhammel, dass es faktisch das große Zeitalter der Imperien war. Imperien (wie das Britische Weltreich, das Russische Kaiserreich oder das Osmanische Reich) blieben die dominierenden politischen Organisationsformen und dehnten ihren Einfluss global massiv aus. 2. Keine strikte Gegensätzlichkeit Osterhammel argumentiert, dass Nationalstaaten und Imperien keine Gegensätze sind, die sich gegenseitig ausschließen. Hybride Formen:  Viele Staaten waren beides zugleich. So war Großbritannien ein Nationalstaat in Europa, agierte aber global als Imperium. Imperiale Nationalstaaten:  Er beschreibt, wie Nationalstaaten (wie Frankreich oder später das Deutsche Kaiserreich) oft selbst imperiale Ambitionen entwickelten, um ihren Status zu untermauern. 3. Transformation statt Ablösung Der Übergang vom Imperium zum Nationalstaat war kein linearer ...

Wann gab es die Wikipedia erstmals auf CD und wie unterschied sie sich in der Zahl der Artikel u.ä. von der von heute?

  Die deutschsprachige Wikipedia feierte ihre Premiere auf CD im Oktober 2004 . Das Projekt war eine Kooperation zwischen dem Verein Wikimedia Deutschland und dem Verlag Directmedia Publishing . Hier ist ein Vergleich zwischen der damaligen "Offline-Welt" und der heutigen Wikipedia: Der Vergleich: Gestern vs. Heute Merkmal CD-Ausgabe (Okt. 2004) Wikipedia Heute (Feb. 2026) Artikelanzahl ca. 132.000 ca. 3.090.000+ Speichermedium 1 CD-ROM Cloud / Internet (Terabytes an Daten) Bilder Nur eingeschränkt (oft Vorschaubilder) Millionen hochauflösende Medien Aktualität Statisch (Stand August 2004) Echtzeit-Updates im Sekundentakt Besonderheit Inklusive eigener Lese-Software Browserbasiert / App Ein paar spannende Details von damals: Der "Snapshot"-Charakter: Da man damals keine Internetflatrates wie heute hatte, war die CD eine Sensation für Leute, die das Wissen der Wikipedia offline nutzen wollten. Der Redaktionsschluss für diese erste Ausgabe war der 1. September 2004. ...

Wann tauchte das Wort Deportation im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch auf?

  Das Wort Deportation hat eine lange Geschichte im Deutschen, wobei sich seine Bedeutung und die Häufigkeit seiner Verwendung über die Jahrhunderte stark gewandelt haben. Hier ist die chronologische Entwicklung: 1. Die Entlehnung (16. Jahrhundert) Das Wort wurde bereits im 16. Jahrhundert aus dem Lateinischen ( deportatio ) ins Deutsche übernommen. Ursprünglich war es ein rein juristischer Fachbegriff, der sich auf das römische Recht bezog. Damals bezeichnete es eine Form der lebenslänglichen Verbannung an einen bestimmten Ort (oft eine Insel oder ein abgelegenes Grenzgebiet), verbunden mit dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. 2. Der klassische Sprachgebrauch (18. & 19. Jahrhundert) In dieser Zeit fand das Wort Eingang in den allgemeinen Bildungskanon, blieb aber weitgehend auf den Kontext des Strafvollzugs beschränkt. Man sprach von Deportation, wenn europäische Mächte Kriminelle in Überseekolonien verschickten (z. B. Großbritannien nach Australien oder Frankreich n...

Ist schon einmal gegen die EU-Sanktionen gegen einzelne Menschen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geklagt worden?

  Ja, es gibt Klagen in diesem Kontext, aber die juristische Situation ist etwas komplizierter, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Es ist wichtig, zwischen den beiden „Europäischen Gerichtshöfen“ zu unterscheiden. 1. Der Regelfall: Klage vor dem EuGH (Luxemburg) Die allermeisten Einzelpersonen (z. B. russische Oligarchen oder Personen auf Terrorlisten), die gegen EU-Sanktionen vorgehen, klagen vor dem Gericht der Europäischen Union (EuG) bzw. dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Grund: Sanktionen werden durch EU-Verordnungen erlassen. Da der EuGH für die Überprüfung von EU-Recht zuständig ist, ist er die direkte Adresse, um die Streichung von einer Sanktionsliste zu erwirken. Bekannte Fälle: Prominente Beispiele sind die Klagen von Roman Abramowitsch oder Alischer Usmanow. Auch das historische Kadi-Urteil ist wegweisend, da der EuGH hier entschied, dass EU-Sanktionen (selbst wenn sie auf UN-Resolutionen basieren) die Grundrechte der Betroffenen achten m...

Was ist Pronomos Capital?

 Während der Name „Pronomos“ in der Antike für einen Musiker stand, bezeichnet Pronomos Capital heute ein modernes, hochspezialisiertes Investmentunternehmen aus dem Silicon Valley. Es handelt sich um den weltweit ersten Risikokapitalfonds (Venture Capital), der sich explizit auf den Bau und die Finanzierung von Charter Cities (Privatstädten) konzentriert. Das Konzept hinter Pronomos Capital Die Grundidee von Pronomos ist, dass Regierungsführung und Gesetze wie „Software“ betrachtet werden können, die ein „Update“ benötigen. Anstatt zu versuchen, bestehende politische Systeme ganzer Länder zu reformieren, investiert der Fonds in Projekte, die neue Städte auf unbebautem Land errichten. Diese Städte sollen: Eigene Rechtssysteme haben (oft basierend auf dem britischen Common Law). Wettbewerb erzeugen: Durch den Wettbewerb zwischen verschiedenen Stadt-Systemen sollen Bürger die Wahl haben, wo sie leben möchten („Governance as a Service“). Wirtschaftswachstum fördern: Durch geringe...

Was ist Pronomos?

 „Pronomos“ ist ein Name, der in der griechischen Antike eine ganz besondere Rolle spielte. Meistens ist damit der berühmteste Musiker seiner Zeit gemeint, aber der Name ist auch untrennbar mit einem der bedeutendsten archäologischen Funde der Theatergeschichte verbunden. Hier sind die zwei wichtigsten Aspekte: 1. Pronomos von Theben (Der Musiker) Pronomos war ein berühmter Flötenspieler ( Aulos-Spieler ) aus Theben, der im späten 5. Jahrhundert v. Chr. lebte. Die Innovation: Vor Pronomos mussten Musiker für verschiedene Tonarten unterschiedliche Instrumente verwenden. Er erfand (oder perfektionierte) eine Technik, bei der man durch verstellbare Ringe und zusätzliche Grifflöcher auf einem einzigen Instrument in allen griechischen Tonarten spielen konnte. Der Star-Status: Er war so populär, dass er sogar Alcibiades (einen berühmten Staatsmann) unterrichtete und Denkmäler zu seinen Ehren errichtet wurden. 2. Die Pronomos-Vase (Das archäologische Highlight) Das ist wahrscheinlich d...