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Gibt es Anhaltspunkte dafür, wie viele Bücher man gegenwärtig als e-Buch oder im Internet (z.B. gutenberg.org) auf Deutsch lesen kann?

  Die Welt der digitalen Bücher ist mittlerweile so gewaltig, dass es schwer ist, eine einzige, exakte Zahl zu nennen. Je nachdem, ob man auf kommerzielle Plattformen, staatliche Archive oder frei zugängliche Sammlungen blickt, variieren die Schätzungen erheblich. Hier ist ein Überblick über die wichtigsten Anlaufstellen und deren ungefähre Bestände (Stand 2026): 1. Die Giganten: Kommerzielle Anbieter Im kommerziellen Bereich dominieren Plattformen wie Amazon (Kindle Shop) oder Tolino. Hier ist die Auswahl am größten, allerdings sind die meisten Titel kostenpflichtig. Amazon Kindle Shop: Schätzungen zufolge umfasst das deutschsprachige Angebot weit über 1 Million E-Books . Weltweit sind es zwar über 10 Millionen, aber die deutsche Sektion ist eine der größten nach der englischen. Tolino-Allianz: Die deutschen Buchhändler (Thalia, Hugendubel etc.) bieten in ihrem gemeinsamen Ökosystem ebenfalls einen Bestand von rund 2 bis 3 Millionen E-Books an (inklusive fremdsprachiger Titel),...

An welchen Beispielen schildert Wallraff, dass der Gutsherr als Arbeitgeber die Beschäftigen wie „Untertanen“ behandelten. Abhängigkeit von Arbeitgeber, Vermieter und lokale Autorität

  In Günter Wallraffs Reportagen – insbesondere in seinen frühen Industriereportagen und den Undercover-Arbeiten aus den 1970er und 80er Jahren (wie „Ganz unten“ oder „Ihr da oben, wir da unten“ ) – wird das Bild des Arbeitgebers als moderner „Gutsherr“ sehr deutlich. Hier sind die zentralen Beispiele und Mechanismen, mit denen Wallraff die Behandlung der Beschäftigten als „Untertanen“ und deren totale Abhängigkeit dokumentiert: 1. Die Verschmelzung von Wohnen und Arbeiten Wallraff zeigt auf, dass die Abhängigkeit oft weit über das Werkstor hinausging. In vielen Fällen war der Arbeitgeber gleichzeitig der Vermieter . Beispiel Werkshütten: Wenn Arbeiter in firmeneigenen Unterkünften lebten, bedeutete Kritik am Chef oder der Verlust des Arbeitsplatzes sofortige Obdachlosigkeit. Kontrolle des Privatlebens: Durch das Wohnrecht konnte der Arbeitgeber soziale Kontrolle ausüben. Wallraff schildert Situationen, in denen „Gutsherren“ Regeln für das Privatleben der Arbeiter aufstellten (...
 In Bezug auf Günter Wallraff und die Begriffe „Gutsherr“ sowie „Abhängigkeit auf dem Land“ ist ein spezifisches Kapitel aus seinem Frühwerk und eine damit verbundene juristische Auseinandersetzung in Westfalen entscheidend. Es handelt sich dabei um seine Recherchen in den 1960er und 70er Jahren, in denen er die „neofeudalen“ Strukturen in der ländlichen Wirtschaft und im Bereich von Adelshäusern untersuchte. 1. Das „Dienstverhältnis“ auf dem Gutshof Wallraff recherchierte unter anderem auf großen Gutshöfen und forstwirtschaftlichen Betrieben in Westfalen. Er thematisierte dort Arbeitsverhältnisse, die er als „moderne Leibeigenschaft“ beschrieb: Hierarchie: Er kritisierte, dass Gutsbesitzer (oft aus altem Adel oder Großgrundbesitzer) ihre Angestellten nicht wie Vertragspartner, sondern wie „Untertanen“ behandelten. Abhängigkeit: Diese Abhängigkeit war oft total, da der Gutsherr gleichzeitig Arbeitgeber, Vermieter und lokale Autorität war. Wer den Job verlor, verlor auch Wohn...

Gibt es Darstellungen aus der Zeit nach der DDR, wo über die Vorteile der Kollektivierung und der LPGs für die mitarbeitenden Familienangehörigen berichtet wird: Lohn, geregelte Arbeitszeit, Urlaub, Rentenanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

  Es ist eine spannende Beobachtung: Während die Berichterstattung unmittelbar nach 1990 oft von der Systemkritik und den negativen Aspekten der Zwangskollektivierung geprägt war, hat sich mit etwas zeitlichem Abstand ein differenzierteres Bild in der Forschung und in Erinnerungsberichten etabliert. Ja, es gibt zahlreiche Darstellungen – vor allem in der Agrargeschichtsschreibung , in soziologischen Studien und in der oral history (Zeitzeugenberichten) –, die die sozialen Errungenschaften der LPG für die ländliche Bevölkerung hervorheben. Hier sind die zentralen Punkte, die in der Literatur nach der Wende thematisiert werden: 1. Der Wandel vom "Bauern" zum "Agrar-Arbeitnehmer" In der DDR-Forschung wird oft betont, dass die LPG-Mitglieder einen Statuswechsel vollzogen. Für Familienangehörige bedeutete dies den Übergang von der patriarchalischen Struktur des Familienbetriebs hin zu einem geregelten Arbeitsverhältnis. Geregelte Arbeitszeit: In den bäuerlichen Famili...

Wallraff: Dienstverhältnisse in Westfalen

 In den Recherchen von Günter Wallraff gibt es zwar keinen prominenten Fall, der unter dem exakten Titel „Dienstverhältnis in Westfalen“ firmiert, aber das Thema „Dienstverhältnisse“ und die Region Westfalen spielen in seinem Frühwerk eine zentrale Rolle. Meistens ist damit seine Zeit bei der „Westfälischen Rundschau“ oder seine Undercover-Einsätze in der westfälischen Industrie (vor allem im Ruhrgebiet) gemeint. Hier sind die wahrscheinlichsten Hintergründe zu Ihrer Frage: 1. Wallraffs Anfänge in Westfalen In den 1960er Jahren begann Wallraff seine Methode des „Wallraffens“ in der Industrieregion Westfalen/Ruhrgebiet. Er arbeitete in verschiedenen „Dienstverhältnissen“, um die dortigen Arbeitsbedingungen zu dokumentieren: Industriereportagen: Er war unter anderem bei Thyssen (Duisburg/Dortmund) und in verschiedenen Fabriken in Westfalen als ungelernter Arbeiter tätig. „Wir brauchen dich“ (1966): In diesem frühen Werk beschreibt er seine Erfahrungen in westfälischen Industrie...

Wie funktionieren Geldmarkt ETFs? Nenne 3 in letzter Zeit erfolgreiche Beispiele

Geldmarkt-ETFs sind eine moderne Alternative zum klassischen Tagesgeldkonto. Sie ermöglichen es Privatanlegern, von den Zinsen zu profitieren, die sich Banken untereinander für sehr kurzfristige Kredite berechnen. So funktionieren Geldmarkt-ETFs Ein Geldmarkt-ETF bildet die Wertentwicklung eines Geldmarktindex ab. In der Eurozone ist dies meist der €STR (Euro Short-Term Rate). Dieser Zinssatz gibt an, zu welchen Konditionen Banken sich über Nacht (Overnight) gegenseitig unbesichert Geld leihen. Zins-Koppelung: Steigen die Leitzinsen der EZB, steigt fast zeitgleich die Rendite des Geldmarkt-ETFs. Sinken die Zinsen, sinkt auch die Rendite. Tägliche Wertentwicklung: Im Gegensatz zum Tagesgeld, bei dem Zinsen oft nur quartalsweise oder jährlich gutgeschrieben werden, spiegelt sich der Zinsertrag beim ETF jeden Tag minimal im Kurs (bei thesaurierenden ETFs) oder in der Rückstellung für die Ausschüttung wider. Sondervermögen: Wie alle ETFs gilt das investierte Geld als Sondervermögen. E...

Entwicklung der autogerechten Stadt

 Der Trend zur autogerechten Stadt entwickelte sich in Europa vor allem in der Nachkriegszeit der 1950er und 1960er Jahre . Während die Konzepte theoretisch schon früher existierten, wurden sie erst durch den wirtschaftlichen Aufschwung und den Massenbesitz von Pkw in die Tat umgesetzt. Hier ist die zeitliche Einordnung der Entwicklung: 1. Die Wurzeln (1920er & 1930er Jahre) Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es radikale Visionen für eine Stadtplanung, die den Verkehr priorisierte. Der einflussreichste Vordenker war der Architekt Le Corbusier . Charta von Athen (1933): In diesem Manifest forderten Stadtplaner die strikte Trennung der Funktionen (Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Verkehr). Das Ziel war es, den „Chaos“ der engen, gewachsenen mittelalterlichen Städte durch breite Schneisen und klare Strukturen zu ersetzen. 2. Der Durchbruch: Die 1950er Jahre Nach 1945 boten die Trümmerlandschaften vieler europäischer Großstädte (besonders in Deutschland) die Chance, die Stadtplanu...