Canetti: Das Augenspiel

 „Das Augenspiel“ (erschienen 1985) ist der dritte Band der autobiografischen Trilogie des Literatur-Nobelpreisträgers Elias Canetti. Er schließt zeitlich an „Die gerettete Zunge“ (Kindheit) und „Die Fackel im Ohr“ (Jugend- und Studienjahre) an.

Einordnung & Zeitraum

  • Zeitspanne: 1931 bis 1937

  • Ort: Hauptsächlich Wien vor dem „Anschluss“ an Nationalsozialistisch-Deutschland sowie Aufenthalte in Straßburg und Paris.

  • Kernaussage: Der Band beschreibt die Entwicklungsjahre Canettis als etablierter junger Autor, das geistige Leben im Wien der Zwischenkriegszeit sowie den drohenden Schatten des heraufziehenden Faschismus.

Central Themen & Inhalte

  1. Wien als intellektueller Kosmos

    • Canetti gibt detaillierte Porträts von Weggefährten, Künstlern und Denkern der Wiener Moderne.

    • Zu den zentralen Figuren gehören unter anderem der Schriftsteller Hermann Broch, der Bildhauer Fritz Wotruba, der Dirigent Hermann Scherchen sowie die Bildhauerin Anna Mahler.

    • Canetti beschreibt treffsicher (und oft scharfzüngig) Kulturpersönlichkeiten wie Alma Mahler-Werfel und Franz Werfel.

  2. Literarischer Durchbruch & Schaffen

    • Entstehung und Fertigstellung seiner Theaterstücke „Hochzeit“ (1932) und „Komödie der Eitelkeit“ (1934) sowie Lesungen in Wiener Salons.

    • Die Veröffentlichung seines einzigen Romans „Die Blendung“ im Jahr 1935.

  3. Persönliches Leben & Beziehungen

    • Die Hochzeit mit seiner langjährigen Gefährtin Veza Taubner-Calderon im Jahr 1934.

    • Die vielschichtige Beziehung zu seiner dominanten Mutter, der er die Heirat zunächst verheimlicht. Der Band endet symbolträchtig mit dem Tod der Mutter 1937 in Paris – ein Wendepunkt, der das Ende einer Epoche in seinem Leben markiert.

  4. Der Begriff „Das Augenspiel“

    • Der Titel verweist auf Canettis Methode des scharfen, unbestechlichen Beobachtens. Er „liest“ die Menschen an ihren Blicken, Gesten und ihrer Sprache ab, um das Wesen der Epoche vor der mitteleuropäischen Katastrophe zu erfassen.

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