Bruno Latour, Nikolaj Schultz: Zur Entstehung einer ökologischen Klasse.
Das Manifest »Zur Entstehung einer ökologischen Klasse.
Hauptthesen & Inhalt des Buchs
Die zentrale These des Werks lautet: Die ökologische Bewegung muss zu einer kohärenten politischen „Klasse“ zusammenwachsen und eine eigene Hegemonie anstreben, um die Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens neu zu gestalten.
Traditioneller Sozialismus Neuer ökologischer Ansatz
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│ Fokus: Produktionsverhältnisse │ │ Fokus: Erhalt der Bewohnbarkeit│
│ Ziel: Gerechte Verteilung │ ──> │ Ziel: Schutz biologischer / │
│ des Produkts │ │ materieller Grundlagen │
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1. Das Scheitern bisheriger Ökopolitik
Fehlender strategischer Kompass:
Die Autoren argumentieren, dass Umweltbewegungen bisher oft zersplittert, lehrerhaft („pädagogisch“) oder rein defensiv agiert haben. Sie stützten sich darauf, Katastrophenszenarien aufzuzeigen, schafften es jedoch nicht, ein mitreißendes, gesellschaftsveränderndes Zukunftsprojekt zu formulieren. Krise des Parteiensystems: Da traditionelle Parteien (ob rechts oder links) weiterhin auf stetiges Wirtschaftswachstum und Konsum fixiert sind, fehle der Mehrheit der Bevölkerung ein klarer politischer Orientierungspunkt für die Klimakrise.
2. Neudefinition des Klassenbegriffs
Abkehr vom klassischen Marxismus:
Marx definierte Klassen über die Stellung im Produktionsprozess (Arbeit vs. Kapital). Latour und Schultz erweitern diesen Materialismus: Nicht mehr die bloße Ökonomie und Produktion stehen im Mittelpunkt, sondern die materiellen Lebensgrundlagen und die Bewohnbarkeit der Erde. Einteilung der Frontlinien: Die „ökologische Klasse“ definiert sich über ihr Handeln für den Erhalt von Biosphäre, Territorien und Ökosystemen. Ihre Gegner sind diejenigen Akteure, Bewegungen und Industrien, die auf einer kontinuierlichen Extraktion und Ausbeutung von Ressourcen verharren.
3. Was ist die „ökologische Klasse“?
Sie umfasst all jene Bürger, Initiativen und Akteure, die erkennen, dass gesellschaftliches Wohlergehen nicht von unbegrenztem Wachstum abhängt, sondern vom Erhalt eines bewohnbaren Planeten.
Die Klasse existiert bisher vor allem in Keimformen.
Um politisch wirksam zu werden, muss sie sich – analog zu früheren historischen Umbrüchen (wie dem Aufstieg des Bürgertums oder der Arbeiterbewegung) – ihrer gemeinsamen Interessen bewusst werden und ein kohärentes Programm entwickeln.
4. Weg zur politischen Hegemonie
Kultur- und Ideenkampf:
Die Transformation erfordert einen tiefgreifenden Wandel im Denken, in der Kultur und in den Werten. Politische Allianzbildung: Ökologie darf kein Nischenthema oder reines Spezialressort sein, sondern muss zum ordnenden Rahmen für alle anderen Politikfelder (Wirtschaft, Soziales, Kultur) werden.
Fazit & Bedeutung
Das Buch gilt als eine Art Vermächtnis von Bruno Latour (der kurz vor dem Erscheinen verstarb) und fasst seine späten Arbeiten zur Politischen Ökologie prägnant zusammen.
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