Droht im Westjordanland eine "Auslöschung" der Palästinenser?
In der aktuellen deutschsprachigen Berichterstattung, von Menschenrechtsorganisationen sowie in der völkerrechtlichen Debatte wird der Begriff „Auslöschung“ im Kontext des Westjordanlands meist in einer bestimmten Bedeutung verwendet: Es geht dabei weniger um eine physische Massenvernichtung (wie sie oft im Zusammenhang mit Gaza diskutiert wird), sondern um die systematische Zerstörung der Lebensgrundlagen, Vertreibung und die schleichende oder faktische Annexion des Gebiets.
Hier sind die zentralen Aspekte, wie diese Situation von Organisationen und Medien auf Deutsch beschrieben wird, gestützt auf Belege:
1. Berichte über „ethnische Säuberung“ und Vertreibung
Prominente Menschenrechtsorganisationen sprechen im Zusammenhang mit dem Westjordanland von einer gezielten Verdrängung der palästinensischen Bevölkerung.
B’Tselem (israelische Menschenrechtsorganisation):
Beschreibt die Situation als ein staatliches Projekt. Das Ziel sei es, Palästinenser in immer kleinere, isolierte Enklaven zusammenzudrängen, während der Raum vollständig unter israelische Kontrolle gebracht wird. Amnesty International:
Kritisiert in aktuellen Berichten die massive Ausweitung von Siedlungen, Landenteignungen sowie die Duldung und Unterstützung von Siedlergewalt. Dies führe dazu, dass ganze palästinensische Dorfgemeinschaften zur Flucht gezwungen und ihrer Heimat beraubt werden.
2. Politische und physische „Zerschneidung“ des Westjordanlands
Analysen (unter anderem in der taz, bei ZDFheute und in Erklärungen von EU-Staaten) weisen darauf hin, dass die territoriale Integrität eines künftigen palästinensischen Staates systematisch zerstört wird:
Siedlungsausbau und Infrastruktur:
Durch den Bau neuer Siedlungen (wie dem umstrittenen E1-Projekt bei Jerusalem) und neuer Umgehungsstraßen wird das Westjordanland faktisch in getrennte Teile zerschnitten. Die urbane Verbindung zwischen Städten wie Ramallah, Ost-Jerusalem und Bethlehem wird unterbrochen. Rechts- und Verwaltungsakte: Die Verlegung von Zuständigkeiten an das israelische Justizministerium und die Erklärung riesiger Flächen zu „staatlichem Land“ werden von Völkerrechtlern als Schritte zu einer de facto-Annexion gewertet.
3. Gewalt und wirtschaftliche Strangulierung
Siedlergewalt:
Berichte von Medien wie ZDFheute dokumentieren, dass radikale israelische Siedler – oft unter Duldung oder dem Schutz der israelischen Armee (IDF) – gezielt palästinensische Bauern und Familien angreifen, um sie zur Aufgabe ihres Landes zu einschüchtern. Infrastruktur und Wasser: Auch Hilfsprojekte (unter anderem mit deutscher Finanzierung durch die KfW) sind von Einschränkungen oder Zerstörungen betroffen, was die wirtschaftliche Existenzgrundlage der palästinensischen Bevölkerung im ländlichen Raum (Area C) massiv gefährdet.
Fazit
In der deutschsprachigen Fach- und Medien diskussion wird eine direkte „physische Auslöschung“ der Palästinenser im Westjordanland so in der Regel nicht formuliert. Stattdessen warnen Beobachter, Menschenrechtler und vereinzelt auch westliche Außenministerien (einschließlich Deutschlands) vor der „Auslöschung der Zwei-Staaten-Lösung“, der Zerstörung der palästinensischen Existenzgrundlagen vor Ort sowie einer ethnischen Vertreibung durch Siedlungsexpansion und Gewalt.
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