Vusamazulu Credo Mutwa: Indaba, My Children (1964)
Indaba. Ein Medizinmann der Bantu erzählt die Geschichte seines Volkes
Mutwa war ein Sangoma und Sanusi des Volks der Zulu in Südafrika.
Indaba, My Children (1964) von Vusamazulu Credo Mutwa (dt. Wikipedia) ist eines der bedeutendsten Werke über die mündlichen Überlieferungen, Mythen und die Geisteswelt des südlichen Afrikas. Das Buch umfasst über 700 Seiten und vereint Schöpfungsmythen, Epen, Stammesgeschichten und philosophisch-religiöse Lehren der Bantu-Völker (insbesondere der Zulu und Xhosa).
Hauptthemen und Inhalte im Überblick
1. Die afrikanische Schöpfungsgeschichte (Kosmologie)
Unkulunkulu & die ersten Wesen: Mutwa schildert die Entstehung des Universums durch den schöpferischen Geist und die Erschaffung der ersten Menschen.
Die Zeitalter der Menschheit: Die Erzählung gliedert sich in verschiedene Zeitalter – vom goldenen Zeitalter der Harmonie bis hin zu Epochen von Zerstörung, Fluten und Kriegen.
Geister und Fabelwesen: Detaillierte Beschreibungen von Naturgeistern, alten Göttern (Umdali) und mythologischen Wesen, die das Schicksal der Menschen beeinflussen.
2. Die Epen und Legenden der Bantu-Könige
Helden- und Herrschererzählungen: Das Buch enthält epische Geschichten über legendäre Anführer, Krieger und Heiler aus der vorkolonialen Zeit Afrikas.
Migrationen und Stammeskriege: Schilderung der historischen Wanderungen der Bantu-Stämme vom Norden nach Süden sowie großer Konflikte und Bündnisse zwischen verschiedenen Völkern.
3. Traditionelle Religion, Heilung und Esoterik
Die Rolle des Sangoma: Mutwa erklärt die Aufgaben traditioneller Heiler, Seher und Geschichtenerzähler (Sanusi), die als Hüter des afrikanischen Wissens fungieren.
Ahnenkult (Amadlozi): Die zentrale Bedeutung der Verbindung zu den Ahnen und wie Zeremonien, Träume und Tränke genutzt werden, um das Gleichgewicht in der Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.
Ethik und Tabus: Grundregeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens, geheime Rituale und die spirituellen Konsequenzen von Freveltaten.
4. Die Begegnung mit fremden Kulturen und der Kolonialismus
Frühe Kontakte: Erzählungen über frühe Zusammentreffen afrikanischer Völker mit fremden Seefahrern (Phoeniziern, Arabern) lange vor dem europäischen Kolonialismus.
Auswirkungen der Kolonisierung: Mutwa beschreibt den Verlust von Werten, Land und Traditionen durch die europäische Herrschaft und plädiert für die Bewahrung des indigenen Afrikanischen Erbes.
Bedeutung des Werks
| Aspekt | Erklärung |
| Erhalt der Oral Tradition | Mutwa schrieb das Buch auf Englisch, um das oral überlieferte Wissen seiner Vorfahren vor dem Vergessen zu bewahren. |
| Kulturelle Brücke | Es gilt als einer der ersten umfassenden Versuche, die afrikanische Geisteswelt aus einer indigenen Binnenperspektive der westlichen Welt zugänglich zu machen. |
| Rezeption | Das Werk verbindet authentische Folklore mit Mutwas persönlicher visionärer Interpretation, weshalb es sowohl als literarisches Meisterwerk als auch als kontroverse Quelle diskutiert wird. |
In den Werken von Credo Mutwa – insbesondere in Indaba, My Children – nehmen die traditionellen Heiler und Seher eine zentrale Schlüsselrolle als Bewahrer der afrikanischen Kultur, Geschichte und Kosmologie ein. Mutwa unterscheidet dabei präzise zwischen verschiedenen Grade und Aufgaben der spirituellen Praktiker, allen voran den Sangomas und den seltenen Sanusis.
1. Die Sangomas: Heiler und Mittler der Ahnen
Der Begriff Sangoma bezeichnet im südlichen Afrika den klassischen traditionellen Heiler und Hellseher. Nach Credo Mutwa erfüllen Sangomas folgende Kernfunktionen:
Verbindung zu den Ahnen (Amadlozi): Ein Sangoma dient als Brücke zwischen der physischen Welt und der Geistwelt. Durch Trancezustände, Gesänge und Trommelrhythmen treten sie mit den Ahnen in Kontakt, um Rat, Warnungen oder Weisheit einzuholen.
Diagnose und Wahrsagerei (Ukuhlola): Sangomas nutzen Methoden wie das Werfen von Knochen (Izinpongo), Muscheln und symbolischen Gegenständen, um Krankheiten, familiäre Konflikte oder Pechsträhnen auf ihre spirituellen Ursachen hin zu untersuchen.
Kräuterheilkunde und Kräuterwissen: Neben der spirituellen Arbeit besitzen sie umfassendes Wissen über Heilpflanzen, Wurzeln und tierische Substanzen, um körperliche und seelische Leiden zu behandeln.
Soziale Harmonie: Sie fungieren als Berater in Dorfgemeinschaften, um Konflikte zu schlichten und das Gleichgewicht zwischen den lebenden Menschen und den Ahnen wiederherzustellen.
2. Die Sanusis: Die höchsten Hüter des geheimen Wissens
Während ein Sangoma eher für die alltäglichen Belange der Menschen und Familien zuständig ist, nimmt der Sanusi in Mutwas Hierarchie die höchste Stufe des afrikanischen Schamanismus ein. Credo Mutwa bezeichnete sich selbst vorrangig als High Sanusi.
Die "Hüter der Mythen" (Guardians of the Lore): Ein Sanusi ist ein Hohepriester und Geschichtenerzähler, der das gesamte mündlich überlieferte Wissen eines Volkes – Schöpfungsmythen, Stammbäume, alte Sprachen und geheime Rituale – auswendig bewahrt.
Seher für ganze Völker: Sanusis weissagen nicht nur für Einzelpersonen, sondern sagen weltweite Ereignisse, Dürren, Kriege oder gesellschaftliche Umbrüche voraus.
Schutz vor dunkler Magie (Umthakathi): Sie verfügen über tiefes Wissen bezüglich der dunklen Mächte (Hexerei/Böswilligkeit) und setzen Schutzrituale ein, um ganze Stammesbereiche oder Könige zu schützen.
Initiation und Ausbildung: Nur wenige Sangomas erreichen nach Jahrzehnten intensiver Schulung, Entsagung und spiritueller Prüfungen den Status eines Sanusi.
Unterschiede im Überblick
| Aspekt | Sangoma | Sanusi |
| Hauptaufgabe | Individualheilkunde, Ahnenkontakt, Wahrsagerei | Bewahrung des Gesamtwissens, Prophetie, Schutz des Volkes |
| Fokus | Alltagsfragen, Krankheiten, Familienprobleme | Kosmologie, Geschichte, weltweite/politische Umbrüche |
| Status | Weit verbreitet; praktizierende Heiler in der Gemeinschaft | Sehr selten; Hohepriester und oberste geistige Instanz |
Bedeutung im Kontext von Mutwas Werk:
Für Credo Mutwa war die Funktion der Sangomas und Sanusis nicht bloß eine religiöse Praxis, sondern das Gedächtnis Afrikas. Da die Kultur vor dem Kolonialismus keine Schriftsprache im westlichen Sinne nutzte, stellte die Institution der Sanusis sicher, dass Jahrtausende altes Wissen, Geschichte und Ethik unverfälscht von Generation zu Generation weitergegeben wurden.
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