Stimmt das Detail des Films "Wunder von Bern", dass die deutschen Spieler im Endspiel Vorteile hatten, weil sie Schraubstollen verwendeten, mit der Wirklichkeit überein?
Ja, dieses Detail im Film entspricht im Wesentlichen der historischen Wirklichkeit. Die Ausstattung der deutschen Mannschaft mit flexibel anpassbaren Schraubstollen war beim WM-Finale am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorfstadion ein entscheidender kauf- und spielentscheidender Vorteil.
Die historischen Fakten im Überblick
Der Wetterumschwung: Am Finaltag regnete es in Bern in Strömen. Auf dem tiefen, völlig aufgeweichten Rasen hatten die Spieler kaum Halt.
Der Schraubstollen-Effekt:
Während die favorisierte ungarische Mannschaft in herkömmlichen Fußballschuhen mit fest genagelten Lederstollen antrat, war die deutsche Elf von Firmenbegründer Adolf „Adi“ Dassler mit modernen, leichten Adidas-Schuhen ausgerüstet worden. Als der Boden immer matschiger wurde, konnte Zeugwart Dassler in der Halbzeitpause längere Stollen unter die Sohlen der deutschen Spieler schrauben. Der Spielvorteil:
Die ungarischen Spieler rutschten auf dem Schlamm zunehmend weg und kämpften mit schweren, vollgesaugten Schuhen. Die deutschen Nationalspieler hingegen behielten spürbar besseren Stand, verbrauchten weniger Kraft und konnten in der zweiten Halbzeit das Spiel drehen (3:2-Sieg nach 0:2-Rückstand).
Ein historisches Detail, das der Film auslässt
Obwohl Adi Dassler und Adidas die Schraubstollen durch das „Wunder von Bern“ weltberühmt machten, war Dassler nicht der alleinige Erfinder des Konzepts:
Bereits 1949 hatte der deutsche Schuhmacher Alexander Salot ein Patent auf Fußballstiefel mit auswechselbaren Schraubstollen angemeldet.
Auch Dasslers Bruder und Rivale Rudolf Dassler (Gründer von Puma) experimentierte Anfang der 1950er Jahre mit Schraubstollen und stattete bereits 1952 erste Vereinsmannschaften damit aus.
Adi Dasslers Verdienst lag vor allem darin, das System perfektioniert, extrem leichte Schuhe entwickelt und Bundestrainer Sepp Herberger frühzeitig von dem praktischen Nutzen für das Nationalteam überzeugt zu haben.
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