Karlheinz Deschner: Kitsch, Konvention und Kunst, 1957
Karlheinz Deschner: Kitsch, Konvention und Kunst. Eine Literarische Pamphletschrift (1957)
In diesem Werk zieht der Literaturkritiker und spätere Kirchenkritiker Karlheinz Deschner scharf gegen die deutsche Nachkriegsliteratur und die zeitgenössische Literaturkritik zu Felde. Er liefert eine kompromisslose Analyse dessen, was er als Verfall der literarischen Qualität und heuchlerischen Kulturbetrieb wahrnimmt.
Kernkonzepte und Thesen
Kitsch: Deschner definiert Kitsch nicht nur als billige Massenware, sondern vor allem als geistige und gefühlsmäßige Unechtheit. Er wirft namhaften Autoren (darunter auch gefeierten Größen wie Hermann Hesse, Ernst Jünger oder Stefan Zweig) vor, Stereotypen, süßliche Pathos-Formeln und sentimentalen Klischee-Zauber anstelle echter Kunst zu produzieren.
Konvention: Unter Konvention versteht er die erstarrten Formen und Erwartungshaltungen des Literaturbetriebs. Autoren, Verlage und Kritiker bedienen sich gegenseitig mit gefälligen Phrasen und meiden das echte, schmerzhafte Wagnis der Dichtung.
Kunst: Kunst ist für Deschner das radikale Gegenteil von Kitsch und Konvention. Sie entsteht nur durch absolute sprachliche und emotionale Wahrhaftigkeit, stilistische Präzision und kompromisslose Originalität.
Bedeutung und Wirkung
Streitschrift: Das Buch wirkte bei seinem Erscheinungsjahr 1957 wie ein Bildersturm im recht satten deutschen Nachkriegskulturbetrieb.
Methodik: Deschner nutzt Akribie und Stilkritik: Er zerpflückt Satz für Satz konkrete Textpassagen bekannter Autoren, um Metaphern-Gefälligkeit, sprachliche Schludrigkeit und gedankliche Flachheit nachzuweisen.
Rezeption: Die Fachwelt reagierte gespalten – teils fasziniert von Deschners scharfer Feder und treffenden Stilanalysen, teils empört über seine polemische Schärfe und den pauschalen Verriss etablierter Größen.
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