Bei welchen Klimaentwicklungen wäre es möglich, dass bei Sturmfluten auf dem Stadtgebiet von London ein 16 m höherer Wasserstand auftreten könnte?

 Ein Anstieg des Wasserstands bei Sturmfluten auf dem Stadtgebiet von London um 16 Meter gegenüber dem historischen Niveau ist ein extrem unwahrscheinliches, aber wissenschaftlich diskutiertes Worst-Case-Szenario für die sehr langfristige Zukunft (bis zum Jahr 2300 und darüber hinaus).

Damit ein solches Szenario eintreten könnte, müssten extreme klimatische Entwicklungen und physikalische Kipppunkte im Klimasystem zusammentreffen:

1. Extreme Treibhausgas-Emissionen (Szenario SSP5-8.5)

Grundlage für einen so massiven Anstieg ist ein uneingeschränktes „Weiter-so“-Szenario (oft als SSP5-8.5 bezeichnet). Das bedeutet:

  • Weltweit werden über Jahrzehnte hinweg weiterhin massiv fossile Brennstoffe verbrannt.

  • Die globale Durchschnittstemperatur steigt langfristig um 4°C oder mehr gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter an.

2. Vollständiger und instabiler Zusammenbruch der Eisschilde

Der Haupttreiber für einen globalen Meeresspiegelanstieg in dieser Größenordnung ist das Abschmelzen beziehungsweise der strukturelle Kollaps der großen Eisschilde der Erde:

  • Antarktis (Marine Ice Sheet Instability & Ice Cliff Instability): Jüngste Klimamodellierungen und Berichte (unter anderem des Weltklimarates IPCC) zeigen, dass bei starker Erwärmung Instabilitäten in den antarktischen Eisschilden ausgelöst werden können. Laut IPCC-Berichten führt eine anhaltende Erwärmung über Jahrhunderte zu einem langfristigen (kommittierten) globalen Meeresspiegelanstieg von 12 bis 16 Metern allein durch das Abschmelzen von Gletschern und Eisschilden bei einer Erwärmung von rund 4°C.

https://iccinet.org/extreme-sea-level-rise-could-lead-to-large-scale-coastal-relocation-in-the-united-kingdom/

  • Grönland: Auch das grönländische Eisschild würde bei diesen Temperaturen nahezu vollständig schmelzen.

3. Der Zeitfaktor: Jahrhunderte statt Jahrzehnte

Solche extremen Werte von rund 15 bis 16 Metern sind keine Projektionen für das Jahr 2100. Bis 2100 gehen selbst pessimistische Prognosen für London von einem Anstieg des Meeresspiegels (inklusive Sturmflutkomponenten) im Bereich von maximal einigen Metern aus (wobei die Standardwerte für 2100 bei unter 1 bis 2 Metern liegen). Ein 16-meterhöher Wasserstand ist ein Zeithorizont-Szenario für das Jahr 2300 oder die Jahrtausende danach, da Eisschilde träge reagieren und Jahrhunderte brauchen, um sich in diesem Ausmaß aufzulösen.

4. Regionale Verstärkung und Sturmflut-Komponente

Zu dem extremen globalen und regionalen Basis-Meeresspiegelanstieg von rund 14 bis 15 Metern kämen noch die lokalen hydrographischen Bedingungen der Nordsee und der Themsetmündung hinzu:

  • Die Nordsee ist trichterförmig, was Sturmfluten ohnehin begünstigt.

  • Ein astronomisches Hochwasser (Tidenhub) in Kombination mit einer extremen Orkanlage (Sturmflut) würde kurzzeitig mehrere Meter Pegel-Spitze oben auf den ohnehin drastisch erhöhten Meeresspiegel draufsetzen und so die Marke von 16 Metern Gesamterhöhung gegenüber historischen Mittelwerten reißen.

Möchten Sie erfahren, welche Schutzkonzepte (wie der Thames Estuary 2100 Plan) aktuell entwickelt werden, um London vor weitaus moderneren, aber kurzfristig realistischeren Anstiegen des Meeresspiegels zu schützen?

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