Ab wann waren in der Klimaforschung die grundlegenden Tatsachen, auf die James E. Hansen am 23.6.1988 hinwies, bekannt? mit Belegen

 Die grundlegenden Tatsachen, auf die der Klimatologe James E. Hansen in seiner historischen Anhörung vor dem US-Senat am 23. Juni 1988 hinwies, waren in der Wissenschaft keineswegs neu. Sie bauten auf einem Fundament auf, das sich über mehr als ein Jahrhundert Schritt für Schritt entwickelt hatte.

Hansen betonte damals im Wesentlichen drei Punkte:

  1. Die Erde ist so warm wie nie zuvor seit Beginn verlässlicher Messungen.

  2. Diese Erwärmung lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit (99 %) auf den anthropogenen Treibhauseffekt zurückführen.

  3. Computermodelle zeigen, dass sich extreme Wetterereignisse und Hitzewellen dadurch verstärken.

Wann diese einzelnen Tatsachen in der Klimaforschung bekannt wurden, lässt sich anhand historischer Meilensteine belegen:

1. Das physikalische Prinzip des Treibhauseffekts (Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts)

  • Die Entdeckung: Dass bestimmte Gase (wie Wasserdampf und Kohlenstoffdioxid) Wärme in der Atmosphäre zurückhalten, wurde bereits im 19. Jahrhundert experimentell nachgewiesen.

  • Belege:

    • 1856: Die US-amerikanische Physikerin Eunice Newton Foote wies nach, dass mit Kohlendioxid angereicherte Luft Sonnenwärme weitaus stärker absorbiert und speichert als normale Luft.

    • 1859/1861: Der irische Physiker John Tyndall maß die infrarot-absorbierenden Eigenschaften von $\text{CO}_2$ und Wasserdampf präzise im Labor.

    • 1896: Der schwedische Chemiker Svante Arrhenius berechnete als Erster manuell, dass eine Verdopplung des atmosphärischen CO2-Gehalts die globale Durchschnittstemperatur um mehrere Grad erhöhen würde (erste quantitative Klimasensitivität).

2. Der menschliche Einfluss durch fossile Brennstoffe (1930er bis 1950er Jahre)

  • Die Entdeckung: Dass die Industrialisierung den CO2-Gehalt messbar erhöht und dies bereits zu einer globalen Erwärmung führt.

  • Belege:

    • 1938: Der britische Ingenieur Guy Stewart Callendar wertete weltweite Wetterstationen aus und zeigte, dass die globale Temperatur in den vorherigen 50 Jahren angestiegen war. Er verknüpfte dies direkt mit den CO2-Emissionen der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Callendar-Effekt).

    • 1957/1958: Roger Revelle und Hans Suess wiesen nach, dass die Ozeane CO2 nicht unbegrenzt schnell absorbieren und der Großteil vom Menschen ausgestoßener Gase in der Atmosphäre verbleibt. Kurz darauf (1958) begann Charles David Keeling mit den kontinuierlichen Messungen auf dem Mauna Loa (die berühmte Keeling-Kurve), die den unaufhaltsamen Anstieg des CO2 dokumentierten.

3. Moderne Klimamodelle und der Nachweis des Signals (1960er bis frühe 1980er Jahre)

  • Die Entdeckung: Die Verlagerung von rein theoretischen Berechnungen hin zu computergestützten Simulationen, die den Temperaturanstieg der späten 1970er und 1980er Jahre exakt voraussagten.

  • Belege:

    • 1967: Syukuro Manabe und Richard Wetherald entwickelten das erste rechenbare, physikalisch realistische 1D-Klimamodell, das eine globale Erwärmung bei CO2-Verdopplung von etwa prognostizierte.

    • 1979: Der sogenannte Charney-Report (ein Bericht der US-amerikanischen National Academy of Sciences unter Leitung von Jule Charney) kam zu dem wissenschaftlichen Konsens: Eine Verdopplung von CO2 wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer globalen Erwärmung von 1,5 bis 4,5 führen. Die Mechanismen waren damit im Kern verstanden.

    • Anfang bis Mitte der 1980er Jahre: Die gemessenen globalen Temperaturen stiegen nach einer flachen Phase in der Mitte des 20. Jahrhunderts deutlich an. Die Jahre 1980, 1981, 1983 und 1986 brachen nacheinander Temperaturrekorde. Hansen und sein Team am NASA Goddard Institute for Space Studies (GISS) hatten bis 1988 bereits präzise globale Temperatur-Zeitreihen und transiente Modellläufe erarbeitet, die diesen Trend abbildeten.

Fazit

Die grundlegenden Tatsachen waren in der Wissenschaft ab den späten 1950er Jahren im Wesentlichen etabliert, während die theoretischen Grundlagen bis ins 19. Jahrhundert zurückreichten.

Was James Hansens Auftritt im Juni 1988 so historisch bedeutsam machte, war daher keine neue wissenschaftliche Entdeckung im Labor, sondern die statistisch abgesicherte Feststellung (mit 99 % Konfidenz), dass der von Modellen vorhergesagte Treibhauseffekt nun messbar und im realen Klimasystem der 1980er Jahre bereits statistisch signifikant sichtbar geworden war – verbunden mit dem Sprung dieser Erkenntnis in die breite Öffentlichkeit und die Politik.


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