Wie kam es dazu, dass Gorillas in Ruanda eigene Bankkonten haben und wozu soll das gut sein?

 Dass Gorillas in Ruanda vereinzelt eigene „Bankkonten“ bzw. digitale Geldbörsen (Digital Wallets) besitzen, ist kein Mythos, sondern Teil eines neuartigen Pilotprojekts zur Biodiversitätsfinanzierung.

Hinter diesem ungewöhnlichen Ansatz steckt eine Initiative zur Finanzierung von Naturschutz:

1. Die Idee hinter „Interspecies Money“

Klassischer Naturschutz hängt stark von Schwankungen im Tourismus oder von staatlichen Fördergeldern ab. Um den Arten- und Naturschutz unabhängig und nachhaltig zu finanzieren, entwickelte die Organisation Tehanu* in Zusammenarbeit mit dem ruandischen Finanzministerium und dem Rwanda Development Board das Konzept des artübergreifenden Geldes (Interspecies Money).

*vergleiche Tehanu

Den Tieren wird ein ökonomischer Eigenwert zugeschrieben: Basierend auf ihrem Beitrag zum Ökosystem und ihrem Tourismuswert schätzten Experten den Wert eines einzelnen Berggorillas im Volcanoes National Park auf etwa 3,55 Millionen US-Dollar.

2. Wie die „Gorilla-Konten“ funktionieren

Die Gorillas gehen natürlich nicht selbst zur Bank. Das System basiert auf digitaler Identifikation und automatisierten Verträgen:

  • Biometrische Identität: Einzelne Gorillas werden über charakteristische Nasenabdrücke und Kamerafallen biometrisch erfasst und erhalten eine eigene digitale Wallet.

  • Leistungsbasierte Auszahlungen: Befindet sich Kapital auf dem Wallet eines Gorillas oder einer Gorillagruppe, wird dieses Geld automatisch für den Schutz genau dieses Indiviudums ausgezahlt.

  • Belohnung für den Schutz: Entfernt ein Parkranger beispielsweise eine Drahtschlinge (Wildererfalle) im Revier eines Gorillas oder schützt die lokale Gemeinschaft seinen Lebensraum, löst das System automatisch eine Prämie aus dem Wallet des Gorillas an die Menschen vor Ort aus.

3. Was damit erreicht werden soll

Ziel des Projekts ist es, die lokale Bevölkerung und Wildhüter direkt und verlässlich finanziell am Überleben der Gorillas zu beteiligen. Wenn das Überleben und Wohlergehen eines spezifischen Gorillas der lokalen Gemeinschaft direkte Einnahmen bringt, steigen die Anreize, die Tiere vor Lebensraumverlust und Wilderei zu schützen.

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