Die Republik Kongo will feststellen, welche Bodenschätze im Kongo liegen. Dafür notwendige Karten liegen in Belgien in einem Archiv. Der Streit geht um das Recht auf die Auswertung der Daten der Karten
Das ist ein hochaktueller und faszinierender Fall, der im Kern die Demokratische Republik Kongo (oft als DR Kongo bezeichnet, die ehemals belgische Kolonie, im Gegensatz zur kleineren Republik Kongo/Kongo-Brazzaville) betrifft. Der Konflikt hat sich in jüngster Zeit massiv zugespitzt, weil es dabei nicht mehr nur um historische Aufarbeitung geht, sondern um Milliardenwerte und modernste Künstliche Intelligenz (KI).
Hier ist die Struktur dieses Konflikts und worum genau gestritten wird:
Der Schatz im Archiv
Im Königlichen Museum für Zentralafrika (auch bekannt als AfricaMuseum) in Tervuren bei Brüssel lagert ein gigantischer geologischer Schatz aus der Kolonialzeit (1885–1960). Dazu gehören:
Über 25.000 historische geologische Karten
Rund 264.000 Luftaufnahmen
Unzählige Bohrprotokolle, Expeditionsberichte und über 160.000 Gesteinsproben
Warum sind diese alten Papiere heute so wertvoll? Die belgischen Kolonialherren haben damals nur Minen ausgebeutet, die extrem hochgradige Vorkommen hatten (z. B. Goldminen mit sehr hoher Dichte pro Tonne). Alles andere ließen sie links liegen. Zudem suchten sie damals nach klassischen Metallen. Heute fehlen der DR Kongo die Mittel, das riesige Staatsgebiet komplett neu zu kartografieren. Die alten Daten sind quasi eine "Schatzkarte" für die Energiewende: Sie enthalten Hinweise auf unberührte Vorkommen von Kobalt, Kupfer, Lithium und Coltan – Rohstoffe, die weltweit für Batterien, E-Autos und Smartphones heiß begehrt sind.
Der aktuelle Streitpunkt: Wer bekommt die Daten?
Eigentlich läuft bereits ein diplomatischer Prozess, bei dem Belgien die Dokumente mit EU-Geldern digitalisiert und schrittweise an die kongolesischen Behörden übergibt, um der DR Kongo ihre „geowissenschaftliche Souveränität“ zurückzugeben.
Der echte Streit entbrannte jedoch, als ein US-amerikanisches Unternehmen namens KoBold Metals ins Spiel kam.
Der KoBold-Deal: Das von Bill Gates und Jeff Bezos unterstützte US-Bergbau- und KI-Startup hat Verträge mit der kongolesischen Regierung geschlossen. KoBold nutzt hochentwickelte KI-Modelle, um historische Bergbaudaten zu analysieren und Muster zu finden, die Menschen übersehen würden. So lassen sich neue Rohstoffvorkommen in Rekordzeit aufspüren.
Die Fronten im Streit:
Die DR Kongo möchte den Zugang zu den Daten extrem beschleunigen. Sie will, dass KoBold Metals Zugriff auf das Brüsseler Archiv erhält, um die Dokumente schnellstens per KI auszuwerten und neue Minen zu erschließen. Für das Land geht es um schnelles Wirtschaftswachstum.
Das belgische Museum und die Regierung weigern sich jedoch bisher, dem US-Unternehmen diesen Zugang zu gewähren. Ihre Begründung: Sie können einer privaten, ausländischen Firma keine Exklusivrechte an den kolonialen Archiven des Kongos einräumen. Die Digitalisierung müsse in öffentlicher Hand bleiben und die Daten direkt an den kongolesischen Staat fließen – nicht an US-Milliardäre.
Was das Ganze so brisant macht
Hinter den Kulissen tobt ein weltweiter geopolitischer Wettlauf um kritische Rohstoffe. Die DR Kongo liefert bereits den Großteil des weltweiten Kobalts, allerdings kontrolliert China dort einen riesigen Teil der bestehenden Minen. Die USA versuchen über Firmen wie KoBold Metals verzweifelt, im Kongo Fuß zu fassen, um ihre Abhängigkeit von China zu verringern.
Die alten Karten in Belgien sind somit zum Zündstoff in einem hochmodernen Wirtschaftskrieg geworden, bei dem koloniale Vergangenheit, nationale Souveränität und die weltweite Technologieführerschaft aufeinanderprallen.
Eine tiefergehende Analyse der wirtschaftlichen Perspektiven dieses Archiv-Streits für die DR Kongo wird in dem Video
Kommentare
Kommentar veröffentlichen