Binnenflüchtlinge in Afrika
Die Zahl der Binnenflüchtlinge (auch Binnenvertriebene oder IDPs für Internally Displaced Persons) in Afrika ist auf einem historisch extrem hohen Niveau. Laut den aktuellen Berichten des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) und des UNHCR leben in Subsahara-Afrika rund 31,7 Millionen Menschen als Binnenflüchtlinge im eigenen Land. Das entspricht fast 40 % aller Binnenvertriebenen weltweit.
Nimmt man die Staaten Nordafrikas (insbesondere den krisengeschüttelten Sudan) hinzu, liegt die Gesamtzahl für den afrikanischen Kontinent sogar noch deutlich höher.
Die Verteilung ist stark konzentriert. Die folgenden Länder verzeichnen die höchsten Zahlen an Binnenflüchtlingen auf dem afrikanischen Kontinent:
| Land | Anzahl Binnenvertriebene (IDPs) | Hauptursachen |
| Sudan | ca. 9,1 Millionen | Anhaltender, schwerer Bürgerkrieg (weltweit die höchste Zahl in einem einzelnen Land) |
| Demokratische Republik Kongo (DRK) | ca. 5,7 Millionen | Jahrzehntelange bewaffnete Konflikte im ressourcenreichen Osten des Landes |
| Nigeria | ca. 3,5 Millionen | Terrorismus (z. B. Boko Haram), Bandenkriminalität und schwere Überschwemmungen |
| Somalia | ca. 3,3 Millionen | Kombination aus permanenten Konflikten (Al-Shabaab) und extremen Klimaschocks |
| Äthiopien | ca. 2,4 Millionen | Regionale ethnische Konflikte sowie Dürrekatastrophen |
| Burkina Faso | ca. 2,1 Millionen | Islamistischer Terrorismus und Instabilität in der Sahelzone |
Die zwei großen Treiber der Flucht
Binnenflucht in Afrika lässt sich fast immer auf eine giftige Mischung aus zwei Faktoren zurückführen:
Konflikte und Gewalt: Dies ist der primäre Grund. Brutale Machtkämpfe (wie im Sudan) oder asymmetrische Kriege in der Sahelzone zwingen ganze Dorfgemeinschaften zur Flucht. Da die Nachbarländer oft selbst instabil oder überlastet sind, strömen die meisten Menschen in sicherere Regionen oder Großstädte innerhalb der eigenen Landesgrenzen.
Klimawandel und Naturkatastrophen: Afrika leidet überproportional unter den Folgen des Klimawandels. Extreme Wetterereignisse wie lang anhaltende Dürreperioden am Horn von Afrika (die Herden und Ernten vernichten) im Wechsel mit plötzlichen, verheerenden Sturzfluten (wie in Nigeria oder Südsudan) nehmen den Menschen die Lebensgrundlage und zwingen sie zur Abwanderung.
Wichtiger Unterschied: Im Gegensatz zu grenzüberschreitenden Flüchtlingen sind Binnenflüchtlinge nicht durch die Genfer Flüchtlingskonvention geschützt. Sie verbleiben unter der rechtlichen Verantwortung ihrer eigenen Regierung – die in Krisenstaaten jedoch oft selbst Konfliktpartei oder schlicht handlungsunfähig ist. Das macht ihre Versorgung und ihren Schutz besonders kompliziert.
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