Welche Unterschiede für Verhaltensregeln von Männern und Frauen in Kamerun zu den europäischen werden in C. Njiké-Bergéret : "Meine afrikanische Leidenschaft" dargestellt?
In ihrem autobiografischen Buch „Meine afrikanische Leidenschaft: Als weiße Königin in Kamerun“ beschreibt Claude Njiké-Bergéret ihre Erfahrungen im Westkamerun der Bamileke-Kultur (Bangangté). Als Tochter französischer Missionare, die später den traditionellen Häuptling (Fon) heiratet, beleuchtet sie die tiefen Kontraste zwischen den europäisch-westlichen und den traditionellen afrikanischen Verhaltensregeln für Männer und Frauen.
Die wesentlichen Unterschiede lassen sich in drei Kernbereiche unterteilen:
1. Ehestruktur und Partnerschaft
Monogamie vs. Polygamie: Während das europäische Ideal auf der exklusiven, monogamen Paarbeziehung basiert, beschreibt Njiké-Bergeret die Polygamie als hochgradig strukturierte soziale Institution. Die Verhaltensregeln verlangen von den Frauen kein Besitzdenken im europäischen Sinne, sondern die Integration in eine weibliche Hierarchie (angeführt von der Erstfrau).
Eifersucht und Individualismus: In Europa gilt Eifersucht oft als "Beweis" für Liebe oder zumindest als normale Reaktion. In der Bamileke-Tradition wird offene Eifersucht unter Mitehefrauen als schwerer Verstoß gegen den Gemeinschaftsfrieden gewertet. Es wird ein hohes Maß an Selbstbeherrschung und Solidarität unter den Frauen erwartet.
2. Rollenverteilung und wirtschaftliche Autonomie
Die Rolle der Frau: Entgegen dem europäischen Vorurteil, afrikanische Frauen seien rein unterdrückt, zeigt das Buch, dass Frauen in der Bamileke-Kultur eine enorme wirtschaftliche Eigenständigkeit besitzen. Sie bewirtschaften ihre eigenen Felder und verwalten ihre Erträge. Eine europäische Abhängigkeit vom Einkommen des Mannes ist dem traditionellen System fremd.
Die Rolle des Mannes: Der Mann (besonders als Familienoberhaupt oder Häuptling) agiert primär als Richter, Beschützer und Repräsentant nach außen. Er greift selten in die alltäglichen Belange und die Ökonomie der Frauen ein. Seine Autorität ist an die Pflicht gebunden, für das spirituelle und physische Wohl der gesamten Gemeinschaft zu sorgen – ein kollektiver Ansatz, der im Gegensatz zum europäisch-kleinfamiliären Rollenbild steht.
3. Sexualität und Emotionalität in der Öffentlichkeit
Zurückhaltung statt Romantik: Während im modernen Europa das Zeigen von Zuneigung, Händchenhalten oder emotionalen Liebesbekundungen in der Öffentlichkeit normal ist, gelten solche Gesten in Kamerun als Tabu oder zumindest als unschicklich.
Respekt und Distanz: Der Umgang zwischen den Geschlechtern im öffentlichen Raum ist von strengen Respekt- und Distanzregeln geprägt. Gefühle und Intimität gehören strikt in den privaten Bereich und werden nicht zur Schau gestellt.
Zusammenfassendes Fazit der Autorin: Njiké-Bergéret macht deutlich, dass das afrikanische System Pflichten und Rechte anders verteilt als das europäische. Wo Europäer oft nur die Unterordnung der Frau sehen, beschreibt sie ein System komplementärer (sich ergänzender) Machtbereiche, in dem Frauen durch Solidarität untereinander und wirtschaftliche Autonomie eine ganz eigene, starke Stellung einnehmen.
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