Nigeria sichert als erstes afrikanisches Land wichtige historische, kulturelle und literarische Aufzeichnungen
Inhalt auf Deutsch https://www.theguardian.com/global-development/2026/mar/17/arctic-world-archive-nigeria-history-culture-svalbard
Hier ist eine ausführliche Zusammenfassung des Artikels vom 17. März 2026 aus The Guardian:
Worum geht es?
Der Artikel beschreibt, wie Nigeria als erstes afrikanisches Land wichtige historische, kulturelle und literarische Aufzeichnungen tief unter dem arktischen Permafrostboden auf der norwegischen Inselgruppe Svalbard (Spitzbergen) einlagert. Am 27. Februar 2026 wurden die Daten in das sogenannte Arctic World Archive (AWA) eingebracht, um sie für zukünftige Generationen vor dem Verlust zu schützen.
Was ist das Arctic World Archive (AWA)?
Das Konzept: Inspiriert vom nahegelegenen "Svalbard Global Seed Vault" (dem globalen Saatgut-Tresor für den Katastrophenfall) wurde das AWA 2017 von einer norwegischen Technologiefirma gegründet. Es fungiert als eine Art "Gedächtnis der Menschheit".
Der Ort: Es befindet sich 300 Meter tief im Inneren eines Berges in einer stillgelegten Kohlemine. Die Bedingungen dort – kalt, dunkel und trocken – bieten die perfekte natürliche Umgebung für eine langfristige Konservierung.
Die Technologie: Die Daten werden auf einem speziellen, digitalisierten Film namens Piql gespeichert, der bis zu 2.000 Jahre halten soll, ohne dass die Gefahr besteht, dass Daten beim späteren Überspielen (wie bei modernen Festplatten oder Cloud-Systemen) verändert werden oder verloren gehen.
Internationale Nachbarschaft: Mittlerweile lagern dort historische Aufzeichnungen aus 37 Ländern, darunter Dokumente aus der Vatikanischen Bibliothek, Daten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) sowie Original-Manuskripte von Chopin.
Struktur: Da die Filmrollen mit 9.000 Euro pro Stück sehr teuer sind, wurde das AWA 2025 in eine gemeinnützige Organisation (Non-Profit) umgewandelt. So können finanzschwächere Institutionen subventioniert werden. Zudem arbeitet das AWA mittlerweile mit der Unesco zusammen.
Welche nigerianischen Daten wurden gesichert?
Da staatliche Archive, Bibliotheken und Museen in Nigeria chronisch unterfinanziert sind und größtenteils noch auf Papier setzen, ist das Risiko enorm hoch, dass Aufzeichnungen verrotten oder verloren gehen. Zwölf verschiedene nigerianische Organisationen (darunter private Kunststiftungen, Museen und Bibliotheken) haben sich daher zusammengetan, um einen Querschnitt ihrer Kultur zu sichern:
Geschichte & Politik: Dokumente der "Olusegun Obasanjo Presidential Library", Berichte über die rechtlichen und politischen Systeme des vorkolonialen Nigerias sowie das Archiv des "Asaba Monument Trust", das an ein historisches Massaker von 1967 erinnert.
Indigenes Wissen: Berichte der Umuchieze-Gemeinschaft über ihre Geschichte, traditionelle Rechtsprechung und Initiationsriten (Erwachsenwerden).
Kreativwirtschaft: Aufzeichnungen über die Musik- und Filmindustrie des Landes. Hervorgehoben wird dabei der Afrobeat-Pionier Fela Kuti (der im selben Jahr einen Grammy für sein Lebenswerk erhielt) sowie der britisch-nigerianische Regisseur Akinola Davies Jr. (der 2026 einen Bafta-Award für einen Film über Nigerias historische Wahlen von 1993 gewann).
Warum ist das so wichtig?
Initiatoren wie der Historiker Nze Ed Emeka Keazor und Obi Asika (Generaldirektor des Nationalen Rates für Kunst und Kultur in Nigeria) betonen die existenzielle Bedeutung dieses Projekts:
"Eines der Hauptprobleme, das Afrika betrifft, ist das Vergessen (die Erinnerung). Wir waren in der Vergangenheit oft nicht zielgerichtet genug darin, unsere eigene Geschichte zu schützen und zu erzählen." — Obi Asika
Für Nigeria markiert diese Einlagerung den Beginn eines langen Weges zur Rückgewinnung und eigenständigen Bewahrung der eigenen historischen Erzählung ("narrative restitution"). Damit soll sichergestellt werden, dass die afrikanische Kultur im globalen Gedächtnis permanent repräsentiert bleibt. Die beteiligten Forscher betonen zudem, dass die Daten nicht nur im fernen Eis liegen, sondern parallel über Gemeindezentren in Nigeria auch der lokalen Bevölkerung zugänglich gemacht werden sollen.
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