Weshalb wurden 1948 auf den Boden Palästinas keine zwei Staaten gegründet?

 Dass 1948 auf dem Boden des britischen Mandatsgebiets Palästina kein arabischer Staat neben dem jüdischen Staat gegründet wurde, lag an einer Kette von politischen Ablehnungen, dem Ausbruch des ersten Nahostkrieges und den anschließenden Gebietsaufteilungen.

Der UN-Teilungsplan von 1947 (UN-Resolution 181) sah eigentlich genau das vor: die Gründung zweier unabhängiger Staaten sowie eine internationale Verwaltung für Jerusalem. Doch dieser Plan wurde in der Praxis nie realisiert. Die Gründe dafür lassen sich im Wesentlichen auf drei Hauptfaktoren herunterbrechen:

1. Die Ablehnung des UN-Teilungsplans durch die arabische Seite

Während die jüdische Führung unter David Ben-Gurion den UN-Teilungsplan weitgehend akzeptierte (da er die völkerrechtliche Legitimation für einen eigenen Staat bot), wurde er von der arabischen Führung in Palästina (dem Arabischen Höheren Komitee) und den umliegenden arabischen Staaten geschlossen abgelehnt.

Die Begründung der arabischen Seite war, dass der Plan ungerecht sei: Die jüdische Bevölkerung, die damals etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachte und rund 7 % des Landes besaß, sollte über 56 % des Territoriums erhalten. Die Araber sahen darin eine Verletzung des Selbstbestimmungsrechts der ansässigen Mehrheit und forderten stattdessen einen einzigen, demokratischen arabischen Gesamtstaat für das gesamte Territorium, in dem die jüdische Minderheit geschützte Rechte erhalten sollte. Da man sich auf keinen Kompromiss einigen konnte, kam es bereits vor dem Abzug der Briten zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen.

2. Der Ausbruch des Palästinakrieges (1948)

Unmittelbar nach dem Ende des britischen Mandats und der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel am 14. Mai 1948 erklärten fünf arabische Staaten (Ägypten, Jordanien, Syrien, Libanon und der Irak) Israel den Krieg.

Das primäre Ziel dieser Militärintervention war es, die Entstehung des jüdischen Staates militärisch zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt stand der Aufbau eigener staatlicher Strukturen für die palästinensischen Araber auf der Prioritätenliste der arabischen Allianz hintenan. Israel gewann diesen Krieg (in der israelischen Historiografie als Unabhängigkeitskrieg, in der palästinensischen als Nakba – „die Katastrophe“ bezeichnet) und dehnte sein Staatsgebiet im Zuge der Kämpfe auf etwa 78 % des historischen Palästinas aus.

3. Die Aufteilung der verbliebenen Gebiete durch die Nachbarstaaten

Das Land, das nach dem Waffenstillstand von 1949 vom ursprünglichen UN-Teilungsplan für den arabischen Staat übrig geblieben war, wurde nicht in die Unabhängigkeit entlassen, sondern von den arabischen Nachbarstaaten besetzt und aufgeteilt:

  • Das Westjordanland (inklusive Ost-Jerusalem): Wurde vom Königreich Jordanien (damals Transjordanien) besetzt und im Jahr 1950 offiziell annektiert.

  • Der Gazastreifen: Kam unter ägyptische Militärverwaltung.

Weder Jordanien noch Ägypten hatten zu diesem Zeitpunkt das Interesse, auf diesen Territorien einen souveränen palästinensischen Staat zu errichten. Die palästinensische Nationalbewegung war politisch zerschlagen, geschwächt und durch die Flucht und Vertreibung von rund 700.000 Palästinensern im Zuge des Krieges zutiefst destabilisiert. Erst mit der Gründung der PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation) im Jahr 1964 rückte die Forderung nach eigener staatlicher Souveränität wieder eigenständig in den Fokus.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Warum kann eine KI keine Werturteile fällen, sondern nur Werturteile zitieren?

Was für Aufgaben sollte ein Lehrer stellen, damit ein Schüler sie nicht mit KI allein bearbeiten kann?

Erläutere, weshalb "The Scar of David" in dem Roman "Mornings in Jenin" eine wesentliche Rolle spielt