Hans Baumann: "Wollt im Winter ein Brieflein schreiben"

Das ist ein wunderbarer Klassiker von Hans Baumann! Es ist eines dieser Wintergedichte, die mit ihrer schlichten, fast kindlichen Sprache eine ganz besondere Wärme ausstrahlen.

Hier ist der Text, falls du ihn gerade nicht ganz im Kopf hast:

Wollt im Winter ein Brieflein schreiben

Wollt im Winter ein Brieflein schreiben, wollt' es keinem Menschen zeigen, hab’s dem Nordwind anvertraut, der hat’s mir vom Tisch geklaut.

Hat’s getragen über die Heide, hat’s getragen weit in die Weite, hat’s getragen bis ans Meer, dort gabs keine Briefe mehr.

Kam ein Fischlein angeschwommen, hat mein Brieflein mitgenommen, hat’s getragen tief hinab, wo es keine Briefe gab.

Kam ein Sternlein am Himmel oben, hat mein Brieflein aufgehoben, hat’s getragen hoch hinauf, schrieb den Namen Gottes drauf.


Warum das Gedicht so charmant ist

Es folgt einer klassischen Stationen-Dramaturgie, wie man sie oft in Volksliedern findet. Der Brief wandert durch alle Sphären:

  1. Die Erde: Die Heide und das weite Land.

  2. Das Wasser: Die Tiefe des Meeres.

  3. Der Himmel: Die unendliche Höhe.

Baumann schafft es hier, die winterliche Einsamkeit nicht traurig, sondern geheimnisvoll und geborgen wirken zu lassen. Dass der Wind den Brief "klaut", gibt der Natur etwas Spielerisches.

Eine kleine Einordnung

Hans Baumann war ein Meister darin, Rhythmen zu finden, die sofort ins Ohr gehen. Viele seiner Texte wurden vertont und sind heute fester Bestandteil von Liederbüchern für Kinder oder für die Adventszeit. Es hat diesen typischen "Hausmusik-Charakter" – schlicht, aber tiefsinnig.


Möchtest du, dass ich dir die Akkorde für eine einfache Begleitung auf der Gitarre oder dem Klavier heraussuche, oder suchst du nach weiteren Wintergedichten in diesem Stil? 


Fontanefan: Hans Baumann  ist zu Recht "umstritten", eine Formel, mit der manches abqualifiziert wird, was wie vieles ambivalent ist, aber durchaus normalen Ansprüchen genügt. 

Bei ihm ist das Problem, dass er seine hohe Begabung als Komponist eingängiger Lieder im Volkston und nicht ganz so begabter Lyriker  ganz in den Dienst der NSDAP gestellt hat. Ohne diese Vorgeschichte wäre sein Werk schlicht das eines produktiven begabten Jugendschriftstellers. So aber ist es schwer, die beiden Teile seines Werks gegeneinander aufzurechnen. So erfreulich ist, was er später geschrieben hat, eine Wiedergutmachung kann man es kaum nennen. 

Dass die KI den ersten Teil seines Werkes völlig übergeht, ist daher sehr problematisch, auch wenn der Prompt keinerlei Aufforderung einer Einordnung des Lieds in sein Werk enthält. 

Natürlich ist auch problematisch, dass die KI nur diese eine Fassung des Textes vorstellt.




https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Baumann

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