Schätze der Himmelssöhne
Die Ausstellung „Schätze der Himmelssöhne“ (mit dem Untertitel Die Kaiserliche Sammlung aus dem Nationalen Palastmuseum, Taipeh) war eines der bedeutendsten und spektakulärsten kulturhistorischen Ausstellungsprojekte in Deutschland. Sie fand in den Jahren 2003 und 2004 statt.
Die Schau bot einen seltenen Einblick in die Schatzkammern der chinesischen Kaiser, deren jahrtausendealte Sammlung heute im Nationalen Palastmuseum in Taiwan (Taipeh) behütet wird.
Hier sind die wichtigsten Details und Hintergründe zu diesem historischen Kulturevent:
Die Stationen und Daten
Die Ausstellung wanderte zwischen den beiden großen deutschen Kulturmetropolen:
Berlin: 18. Juli bis 12. Oktober 2003 im Alten Museum (in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Museen zu Berlin).
Bonn: 21. November 2003 bis 15. Februar 2004 (später verlängert bis zum 29. Februar 2004) in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Bundeskunsthalle).
Konservatorische Besonderheit: Da viele der gezeigten Exponate (wie jahrhundertealte Seidenmalereien, Kalligraphen und antike Bücher) extrem licht- und klimaempfindlich waren, wurden in Bonn teilweise andere, ausgetauschte Meisterwerke gezeigt als zuvor in Berlin.
Was wurde ausgestellt?
Insgesamt wurden rund 400 hochkarätige Exponate präsentiert, die größtenteils aus der kaiserlichen Sammlung der Qing-Dynastie stammten. Der Querschnitt der chinesischen Kunstgeschichte umfasste:
Meisterwerke der Malerei und Kalligraphie: Filigrane Rollbilder und Schriftkunst der alten Meister.
Porzellan und Keramik: Erlesene kaiserliche Keramiken (darunter das seltene Ru-Porzellan).
Jade- und Bronzekunst: Antike Ritualbronzen und feinste Jadeschnitzereien, die teils bis in die Jungsteinzeit zurückreichten.
Kostbare Alltagsobjekte: Seltene kaiserliche Siegel, Lackarbeiten, Emaille (Cloisonné) und kunstvolle Sammelkabinette.
Textilien und seltene Bücher: Prachtvolle Seidenbandwebereien, Bildstickereien und historische Buchdrucke, die teilweise noch nie im Ausland zu sehen gewesen waren.
Der historische und politische Sprengstoff
Die Ausstellung war nicht nur kunsthistorisch ein Meilenstein, sondern auch politisch eine Gratwanderung, die über zehn Jahre zäher Verhandlungen voraussetzte:
Die Odyssee der Schätze: Die kaiserliche Sammlung befand sich ursprünglich in der Verbotenen Stadt in Peking. Während des chinesischen Bürgerkriegs und des Einmarschs der Japaner wurden die wertvollsten Stücke von der Nationalregierung unter Chiang Kai-shek in über 19.000 Kisten verpackt und quer durch das Land evakuiert. 1948/49 wurden rund 650.000 dieser Objekte nach Taiwan transportiert, wo sie heute das Herzstück des Nationalen Palastmuseums in Taipeh bilden. Die Volksrepublik China beansprucht diese Schätze bis heute für sich.
Diplomatischer Drahtseilakt: Da Deutschland Taiwan nicht offiziell als Staat anerkennt, gestaltete sich das Projekt politisch hochsensibel. Die Regierung in Peking protestierte heftig gegen die Schau. Zudem musste der deutsche Bundestag im Vorfeld ein spezielles Gesetz verabschieden („Rückgabegarantie“), das Taiwan rechtlich zusicherte, dass die Schätze während des Aufenthalts in Deutschland nicht von der Volksrepublik China beschlagnahmt werden durften.
Fazit
Für das deutsche Publikum war die Schau eine einmalige Gelegenheit, die „sinnesfrohe Pracht der höfischen Kunst“ und die tiefgründige Philosophie der chinesischen Gelehrtenkultur aus nächster Nähe zu erleben. Sie gilt bis heute als eine der erfolgreichsten und prestigeträchtigsten Ausstellungen asiatischer Kunst in Europa.
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