Was für Maßnahmen werden in Kamerun gefordert, um der Jugend Chancen zu eröffnen, damit sie nicht in Auswanderung ihre einzige Chance sehen?
In Kamerun ist die Jugendarbeitslosigkeit ein massives strukturelles Problem, da über 60 % der Bevölkerung unter 25 Jahre alt sind. Um die Abwanderung (oft als „Jando“ oder „Bushfaller“-Phänomen bezeichnet) zu bremsen, fordern Zivilgesellschaft, internationale Organisationen und die Jugend selbst Maßnahmen, die weit über bloße Absichtserklärungen hinausgehen.
Hier sind die zentralen Forderungen und aktuellen Maßnahmen (Stand 2026):
1. Massive Förderung von Unternehmertum & Start-ups
Anstatt nur auf den (überfüllten) Staatsdienst zu hoffen, liegt der Fokus auf Eigeninitiative.
Finanzieller Zugang: Gefordert wird ein leichterer Zugang zu Mikrokrediten ohne horrende Sicherheiten. Die Regierung hat für 2026 ein Budget von 50 Milliarden FCFA (ca. 76 Mio. €) für Projekte von Jugendlichen und Frauen bereitgestellt. [Das wären etwa 3,50 € pro Person der geförderten Personenkreises]
Unternehmensgründung: Initiativen wie das Projekt „Youth and Migration, Football Cameroon“ (in Kooperation mit der IOM) zielen darauf ab, hunderttausende Kleinunternehmen zu gründen, um lokale Wertschöpfungsketten zu schaffen.
2. Modernisierung der Landwirtschaft („Agri-Business“)
Die Landwirtschaft wird oft noch als „Arbeit für Arme“ gesehen. Um sie für die Jugend attraktiv zu machen, werden gefordert:
Technologisierung: Projekte wie der Agritech Innovation Challenge fördern digitale Lösungen in der Landwirtschaft.
Landreformen: Ein großes Hindernis ist der erschwerte Zugang zu Land für junge Menschen. Gefordert werden Reformen, die jungen Absolventen den Erwerb von Ackerland garantieren.
3. Reform des Bildungssystems
Ein Hauptkritikpunkt ist die Diskrepanz zwischen Uni-Abschlüssen und dem Arbeitsmarkt.
Berufliche Ausbildung: Weg von rein theoretischen Studienfächern hin zu technischer und handwerklicher Ausbildung (VET – Vocational Education and Training).
Digital Skills: Da der IT-Sektor boomt, wird eine landesweite Glasfaser-Offensive und die Integration von Coding und digitalem Marketing in die Lehrpläne gefordert, um Remote-Work-Optionen (Arbeiten für globale Firmen von Kamerun aus) zu ermöglichen.
4. Befriedung der Krisenregionen
Viele junge Menschen fliehen nicht nur vor Armut, sondern vor Gewalt.
Sicherheitsgarantien: In den englischsprachigen Regionen (Nordwest/Südwest) und im hohen Norden (Boko Haram) fordern Jugendverbände echte Friedensverhandlungen, damit Schulen und Betriebe dauerhaft öffnen können.
Sonderwirtschaftszonen: Für diese Krisengebiete wurden spezielle Steuererleichterungen für Unternehmen eingeführt, die dort junge Menschen einstellen.
5. Politische Teilhabe und Governance
Die Frustration speist sich oft aus dem Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber einer alternden Elite.
National Youth Forum (Fonajeune): Seit 2026 gibt es verstärkte Plattformen für den Dialog zwischen Jugendführern und Ministern, um sicherzustellen, dass Gelder nicht in Korruption versickern, sondern direkt bei Projekten ankommen.
Dezentralisierung: Die Forderung nach mehr Macht für lokale Kommunen, damit Fördergelder dort eingesetzt werden, wo die Jugendlichen tatsächlich leben, und nicht nur in den Metropolen Yaoundé und Douala.
Hintergrund: Trotz dieser Maßnahmen bleibt der Druck hoch. Viele junge Kameruner sehen die Migration als „Ritus“ oder einzige Chance auf ein würdevolles Leben, weshalb Experten betonen, dass neben ökonomischen Anreizen vor allem das Vertrauen in den Rechtsstaat und die Bekämpfung von Korruption entscheidend sind.
Glaubst du, dass finanzielle Anreize allein ausreichen, um junge Menschen zum Bleiben zu bewegen, oder spielt die Sehnsucht nach politischer Freiheit eine größere Rolle?
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