Sah Gandhi in Hitler einen Unterstützer in seinem Unabhängigkeitskampf gegen die Briten?
Die kurze Antwort lautet: Nein. Mahatma Gandhi sah in Adolf Hitler keineswegs einen Verbündeten oder Unterstützer für die indische Unabhängigkeit.
Zwar verband beide das Ziel, die britische Kolonialherrschaft zu beenden (wenn auch aus völlig unterschiedlichen Motiven), doch Gandhi lehnte Hitlers Ideologie und Methoden zutiefst ab.
Hier ist eine Einordnung der Beziehung und der historischen Hintergründe:
1. Ideologischer Gegensatz: Gewaltfreiheit vs. Tyrannei
Gandhis gesamtes politisches Wirken basierte auf Satyagraha (Festhalten an der Wahrheit) und Ahimsa (Gewaltlosigkeit). Hitler hingegen verkörperte für Gandhi das genaue Gegenteil.
Moralische Ablehnung: Gandhi betrachtete den Nationalsozialismus als eine Form von "organisierter Gewalt", die der menschlichen Natur widersprach.
Kein "Der Feind meines Feindes ist mein Freund": Gandhi war zwar ein scharfer Kritiker des britischen Imperialismus, aber er wollte die Freiheit Indiens nicht durch den Sieg eines noch schlimmeren Diktators erkaufen.
2. Die Briefe an Hitler (1939 & 1940)
Gandhi schrieb zwei berühmte Briefe an Hitler, in denen er ihn als „Freund“ adressierte – was damals eine höfliche diplomatische Standardfloskel war, heute aber oft missverstanden wird.
Der Appell zum Frieden: In seinem Brief vom 23. Juli 1939 bat er Hitler eindringlich, den drohenden Krieg zu verhindern:
„Es ist ganz klar, dass Sie heute die einzige Person auf der Welt sind, die einen Krieg verhindern kann, der die Menschheit in den Zustand der Wildheit zurückwerfen könnte.“
Kritik am Nationalsozialismus: Im zweiten Brief (1940) bezeichnete er Hitlers Taten als „monströs und der menschlichen Würde nicht angemessen“. Er stellte klar, dass die Inder den britischen Imperialismus bekämpften, aber niemals die Hilfe der Nazis in Anspruch nehmen würden.
3. Die Verwechslung mit Subhash Chandra Bose
Oft wird Gandhis Haltung mit der eines anderen indischen Freiheitskämpfers verwechselt: Subhash Chandra Bose.
| Merkmal | Mahatma Gandhi | Subhash Chandra Bose |
| Strategie | Gewaltloser Widerstand | Bewaffneter Kampf |
| Verhältnis zu NS-Deutschland | Ablehnung aus moralischen Gründen | Suchte aktiv das Bündnis mit den Achsenmächten |
| Ziel | Unabhängigkeit durch moralische Überlegenheit | Unabhängigkeit durch militärische Unterstützung von außen |
Bose reiste tatsächlich nach Deutschland, traf Hitler und gründete die „Legion Freies Indien“ aus indischen Kriegsgefangenen der Wehrmacht. Gandhi distanzierte sich von diesem Weg, auch wenn er Boses Patriotismus persönlich respektierte.
Fazit
Gandhi sah in Hitler keinen Unterstützer, sondern eine Warnung. Er war überzeugt, dass ein Sieg Hitlers für die Welt – und damit auch für Indien – eine Katastrophe bedeuten würde. Während die Briten für ihn „Gegner“ waren, die man durch moralische Einsicht bekehren konnte, sah er in Hitler einen Despoten, dessen Methoden die Seele einer Nation zerstören würden.
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