Kaiserkrönungen in Frankfurt
Frankfurt am Main war über Jahrhunderte das politische Herz des Heiligen Römischen Reiches. Während die Stadt durch die Goldene Bulle von 1356 zunächst als fester Ort für die Königswahl festgeschrieben wurde, entwickelte sie sich ab 1562 auch zur Hauptstätte der Kaiserkrönungen und löste damit Aachen ab.
Hier ist ein Überblick über die Geschichte, den Ablauf und die Bedeutung dieser Zeremonien:
1. Die rechtliche Basis: Die Goldene Bulle (1356)
Kaiser Karl IV. legte in diesem „Grundgesetz“ des Reiches fest, dass Frankfurt der rechtmäßige Ort für die Wahl des römisch-deutschen Königs durch die sieben Kurfürsten sei.
Wahlort: Frankfurt am Main.
Krönungsort: Ursprünglich blieb Aachen der vorgesehene Ort für die Krönung.
Erster Reichstag: Nürnberg.
2. Der Aufstieg zur Krönungsstadt
Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden aus praktischen Gründen Wahl und Krönung am selben Ort zusammengelegt. Der beschwerliche Weg nach Aachen entfiel.
Die erste Krönung: 1562 wurde Maximilian II. als erster Herrscher im Frankfurter Dom gekrönt.
Die letzte Krönung: 1792 fand mit Franz II. die letzte Kaiserkrönung der Geschichte statt, bevor das Reich 1806 unterging.
Statistik: Insgesamt fanden 10 Kaiserkrönungen in Frankfurt statt.
3. Schauplätze und Ablauf der Zeremonie
Die Krönung war ein exakt choreografiertes Ereignis, das die Stadt in einen Ausnahmezustand versetzte.
Der Kaiserdom St. Bartholomäus
Im Dom fand die religiöse Zeremonie statt. Die Kurfürsten tagten im Wahlkapellchen (einer Nische im Dom), um die Wahl formell zu besiegeln. Nach der Wahl wurde der neue Herrscher auf den Altar gehoben und vom Erzbischof von Mainz gesalbt und gekrönt.
Der Krönungsweg
Nach der Zeremonie schritt der frisch gekrönte Kaiser über den sogenannten Krönungsweg. Dieser führte vom Nordportal des Doms über den Markt bis zum Römerberg. Für das Volk wurde der Weg oft mit Tüchern ausgelegt, die nach dem Vorbeizug des Kaisers als Souvenirs zerschnitten wurden.
Das Krönungsmahl im Römer
Im Kaisersaal des Rathauses (Römer) fand das prunkvolle Bankett statt. Während der Kaiser drinnen mit den Kurfürsten speiste, feierte das Volk draußen auf dem Römerberg:
Ochsenbraten: Ein ganzer Ochse wurde am Spieß gebraten.
Weinbrunnen: Aus dem Gerechtigkeitsbrunnen floss roter und weißer Wein statt Wasser.
Hafer- und Geldregen: Es wurden Hafer für die Pferde und Münzen für die Menge ausgeworfen.
4. Die Liste der in Frankfurt gekrönten Kaiser
| Jahr | Kaiser |
| 1562 | Maximilian II. |
| 1612 | Matthias |
| 1619 | Ferdinand II. |
| 1658 | Leopold I. |
| 1711 | Karl VI. |
| 1742 | Karl VII. (der einzige Nicht-Habsburger der Neuzeit, Haus Wittelsbach) |
| 1745 | Franz I. Stephan (Ehemann von Maria Theresia) |
| 1764 | Joseph II. |
| 1790 | Leopold II. |
| 1792 | Franz II. |
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