Hat Hitler zum Ausdruck gebracht, dass das deutsche Volk versagt und deshalb kein Recht auf Überleben mehr hätte?

 Ja, diese Aussage ist historisch gut belegt, wobei sie vor allem durch die Erinnerungen von Albert Speer, dem damaligen Rüstungsminister, überliefert wurde.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs, als die Niederlage des NS-Regimes unausweichlich war, vertrat Hitler eine radikale Form des Sozialdarwinismus. Seine Logik war simpel: Der Krieg war ein „Existenzkampf der Rassen“ – wer verliert, hat seine Existenzberechtigung verloren.

Der Kontext: März 1945

Mitte März 1945 legte Albert Speer Hitler eine Denkschrift vor, in der er davor warnte, die Lebensgrundlagen des Volkes (Infrastruktur, Fabriken, Versorgung) zu zerstören. Er argumentierte, dass man dem Volk eine Basis für den Wiederaufbau nach dem Krieg lassen müsse.

Laut Speers späteren Aufzeichnungen und Zeussenaussagen reagierte Hitler darauf mit den berüchtigten Worten:

„Wenn der Krieg verlorengeht, wird auch das Volk verlorensein. [...] Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil, es ist besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hat sich als das schwächere erwiesen, und dem stärkeren Ostvolk gehört dann ausschließlich die Zukunft. Was nach diesem Kampf übrigbleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen.“

Der „Nero-Befehl“

Kurz darauf, am 19. März 1945, erließ Hitler den sogenannten „Nero-Befehl“ (offiziell: Befehl betreffend Zerstörungsmaßnahmen im Reichsgebiet).

  • Inhalt: Alle Industrieanlagen, Verkehrseinrichtungen und Vorräte sollten beim Rückzug zerstört werden, damit der Feind nur „verbrannte Erde“ vorfindet.

  • Konsequenz: Hitler nahm bewusst in Kauf, dass die deutsche Zivilbevölkerung dadurch verhungern oder an Krankheiten sterben würde. In seinem Weltbild hatte das deutsche Volk die „Prüfung der Geschichte“ nicht bestanden und somit sein Recht auf Überleben verwirkt.

Historische Einordnung

Historiker sehen darin die letzte Konsequenz der nationalsozialistischen Ideologie. Da Hitler sich selbst als Verkörperung des Volkswillens sah, war für ihn ein Fortbestehen der Nation ohne seine Führung und ohne den Sieg nicht denkbar. Dass das Volk die Niederlage erleiden musste, war in seinen Augen kein Versagen seiner Führung, sondern ein Versagen des Volkes, das nicht „hart genug“ gekämpft habe.

Dank des Widerstands einiger Beamter und Militärs – darunter auch Speer selbst, der den Befehl hintertrieb – wurde der Nero-Befehl in vielen Teilen Deutschlands glücklicherweise nicht oder nur teilweise ausgeführt.

Da die Aussage zum Existenzrecht des deutschen Volkes sich offenbar nur auf Speers Erinnerungen stützt und Speer ein Interesse daran hatte, eine Art von Widerstand gegen Hitler geleistet zu haben, war Speer daher m.E. nicht neutral genug, um ein ganz verlässlicher Zeuge zu sein.

Der Nerobefehl  kann allerdings so gedeutet werden, dass aus Hitlers Sicht das Überleben des deutschen Volkes geringer wert wäre als sein Kampf  für die Vernichtung der Juden.

Wikipedia: "Er setzte eine Nachfolgeregierung ein und verpflichtete sie, den Krieg mit allen Mitteln fortzusetzen. Er forderte von ihr und den Deutschen, die Ziele des Nationalsozialismus langfristig zu verwirklichen, vor allem die Nürnberger Gesetze einzuhalten und dem „Weltvergifter aller Völker“ weiter „unbarmherzigen Widerstand“ zu leisten. Damit umschrieb er, dass die Deutschen die Juden über seinen Tod hinaus vollständig vernichten sollten." (Politisches Testament Adolf Hitlers)

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