Gemeinschaftsanschluss für Telefon in BRD und DDR
Ein Gemeinschaftsanschluss (oft auch „Zweieranschluss“ genannt) war eine technische Lösung, bei der sich mehrere Teilnehmer eine einzige Telefonleitung zur Vermittlungsstelle teilten. Da Kupferleitungen früher knapp und teuer waren, war dies ein gängiges Mittel, um mehr Menschen ans Netz zu bringen – auch wenn man nicht gleichzeitig telefonieren konnte und oft das Gespräch des Nachbarn unfreiwillig mitbekam.
Hier ist die zeitliche Einordnung für die Bundesrepublik Deutschland und die DDR:
In der Bundesrepublik Deutschland (BRD)
In Westdeutschland wurden Gemeinschaftsanschlüsse vor allem in den 1950er- bis 1970er-Jahren massiv genutzt, um dem rasant steigenden Bedarf an Telefonanschlüssen während des Wirtschaftswunders gerecht zu werden.
Höhepunkt: In den 1960er-Jahren war der „Zweieranschluss“ Standard, wenn kein Einzelanschluss verfügbar war.
Rückzug: Mit dem Ausbau der digitalen Vermittlungstechnik und dem Verlegen von mehr Erdkabeln in den 1980er-Jahren sank der Bedarf.
Offizielles Ende: Die Deutsche Bundespost begann bereits in den 1980ern mit der systematischen Umstellung. Mit der Digitalisierung des Netzes (Abschluss der ISDN-Einführung und Ende der analogen Vermittlungstechnik) verschwanden sie weitgehend.
Letzte Anschlüsse: Bis Mitte der 1990er-Jahre (ca. 1994/1995) wurden die letzten verbliebenen Gemeinschaftsanschlüsse im Zuge der Postprivatisierung und der Netzmodernisierung in Einzelanschlüsse umgewandelt.
In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)
In der DDR war der Gemeinschaftsanschluss (dort oft als GA bezeichnet) aufgrund des chronischen Mangels an Leitungskapazitäten und Vermittlungstechnik bis zum Ende des Staates allgegenwärtig.
Verbreitung: Ein Großteil der privaten Telefonanschlüsse in der DDR war als Gemeinschaftsanschluss ausgeführt – oft teilten sich zwei, manchmal sogar bis zu zehn Teilnehmer (bei speziellen Anlagen) eine Leitung.
Technik: Beliebt war der sogenannte Umschalte-Zusatz (UfSt), der mechanisch prüfte, ob die Leitung frei war.
Nach der Wende: Zum Zeitpunkt des Mauerfalls 1989 war das Telefonnetz der DDR technisch völlig veraltet. Die Deutsche Telekom übernahm das Netz und startete das Programm „Aufbau Ost“.
Ende: Durch die massive Verlegung von Glasfaser- und neuen Kupferkabeln (OPAL-Netze) wurden die Gemeinschaftsanschlüsse in den neuen Bundesländern sehr schnell ersetzt. Bis ca. 1995/1996 waren sie auch dort praktisch vollständig durch moderne Einzelanschlüsse ersetzt worden.
Zusammenfassung der Unterschiede
| Merkmal | Bundesrepublik (West) | DDR (Ost) |
| Bedeutung | Notlösung der Nachkriegszeit, ab den 70ern rückläufig. | Massenphänomen und Standard für Privatpersonen bis 1989. |
| Wartezeit | Ab den 80ern meist nur noch kurz oder gar nicht. | Wartezeiten von 10 bis 15 Jahren auf einen Anschluss waren üblich. |
| Verschwinden | Schrittweise bis Mitte der 1990er. | Schlagartig durch Modernisierungswelle nach 1990. |
Interessanter Fakt: Beim Gemeinschaftsanschluss war es technisch so gelöst, dass das Telefon des Nachbarn nicht klingelte, wenn man selbst angerufen wurde. Man konnte jedoch meistens "mithören", wenn man den Hörer abhob, während der andere Teilnehmer sprach (was offiziell natürlich nicht erlaubt bzw. durch eine Sperre erschwert war).
Eine Redeweise der Zeit für den war "Mondschein-Telefon".
Kommentare
Kommentar veröffentlichen