Angriffe auf Flüchtlinge in Deutschland: 1990-2026

 In Deutschland gab es seit 1990 mehrere Wellen und schwere Einzelereignisse rechter Gewalt gegen Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Zeitspanne lässt sich grob in drei Phasen unterteilen: die frühen 1990er Jahre ("Baseballschlägerjahre"), die Zeit der NSU-Mordserie und die Eskalation ab 2015.

Hier ist eine Übersicht der gravierendsten Ereignisse bis heute (Stand April 2026):


1. Die frühen 1990er Jahre (Nachwendezeit)

Nach der Wiedervereinigung kam es zu einer massiven Welle rassistischer Gewalt, oft unter Beteiligung von Anwohnern.

  • Hoyerswerda (September 1991): Tagelange rassistische Ausschreitungen gegen ein Vertragsarbeiter-Wohnheim und eine Asylunterkunft. Unter dem Beifall von Anwohnern wurden Brandsätze geworfen; die Flüchtlinge wurden schließlich unter Polizeischutz weggebracht.

  • Saarlouis (September 1991): Ein Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft kostet den 27-jährigen Samuel Yeboah aus Ghana das Leben.

  • Rostock-Lichtenhagen (August 1992): Die schwersten Ausschreitungen der Nachkriegszeit. Ein rassistischer Mob belagerte die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZASt) und steckte das "Sonnenblumenhaus" in Brand, während hunderte Zuschauer applaudierten.

  • Mölln (November 1992): Ein Brandanschlag auf ein von türkischen Familien bewohntes Haus tötet drei Menschen.

  • Solingen (Mai 1993): Vier rechtsextreme Jugendliche setzen das Haus der Familie Genç in Brand. Fünf Frauen und Mädchen sterben.

2. Die NSU-Mordserie (2000–2007)

Die Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) ermordete aus rassistischen Motiven neun Migranten und eine Polizistin. Zudem verübten sie Sprengstoffanschläge, wie 2004 in der Kölner Keupstraße, bei dem 22 Menschen verletzt wurden.

3. Die Eskalation ab 2015

Mit der Zunahme der Flüchtlingszahlen ab 2015 stieg die Zahl der Anschläge auf Unterkünfte sprunghaft an (von 203 Delikten im Jahr 2014 auf über 1.000 im Jahr 2015).

  • Freital (2015): Die rechtsterroristische "Gruppe Freital" verübte Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner.

  • Heidenau (August 2015): Schwere Ausschreitungen vor einer Flüchtlingsunterkunft; Polizisten wurden massiv angegriffen.

  • Hanau (Februar 2020): Ein rassistischer Attentäter erschießt neun Menschen mit Migrationshintergrund in zwei Shisha-Bars und einem Kiosk. Dieses Ereignis gilt als einer der schwersten rechtsextremen Anschläge der jüngeren Geschichte.

4. Aktuelle Lage (2024 bis 2026)

Statistiken zeigen, dass die Gewalt gegen Geflüchtete nach einem Rückgang zwischen 2017 und 2021 seit 2022 wieder deutlich ansteigt.

  • Zunahme der Straftaten: Im Jahr 2024 stiegen die Angriffe auf Unterkünfte laut BKA-Berichten um etwa 40 % im Vergleich zum Vorjahr an.

  • 2025/2026: In den Jahren 2025 und im ersten Quartal 2026 wurden weiterhin zahlreiche Brandstiftungen an geplanten oder bewohnten Unterkünften registriert (über 180 Delikte allein im Jahr 2025). Die Behörden verzeichnen zudem eine hohe Zahl von Körperverletzungen gegen Flüchtlinge im öffentlichen Raum.


Statistische Einordnung

Die folgende Tabelle verdeutlicht die Spitzenwerte der Gewalt gegen Flüchtlingsunterkünfte:

ZeitraumCharakteristikDokumentierte Vorfälle (ca.)
1992Höhepunkt der Nachwende-GewaltÜber 2.000 rassistische Straftaten
2015/2016Krisenjahre der FlüchtlingspolitikÜber 1.000 Angriffe auf Unterkünfte pro Jahr
2024-2026Erneuter AnstiegHunderte Delikte jährlich; Trend steigend

Hinweis: Viele NGOs und Stiftungen (wie die Amadeu Antonio Stiftung) gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da nicht alle Taten von der Polizei sofort als rassistisch oder politisch rechts motiviert eingestuft werden.

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