Das Löbtaulied in Wolfgang Steinitz: Deutsche Volklieder Nr.245
Das „Löbtaulied“ ist ein eindrucksvolles Dokument der deutschen Arbeiterbewegung und hält die Ereignisse des Dresdner Straßenbahnerstreiks von 1900 fest. In der Sammlung von Wolfgang Steinitz wird es als wichtiges Beispiel für das politische Kampflied jener Zeit aufgeführt.
Die erste Strophe
Hier ist der Auftakt des Liedes, wie er bei Steinitz (Nr. 245) dokumentiert ist:
„Zu Dresden in der Residenz, Da gab es einen Streit, Den man in ganz Europa kennt, Er dauerte lange Zeit. Es war am neunzehnten August, Da fing die Sache an, Da streikten in der Residenz Die Leute von der Straßenbahn.“
Inhalt des Liedes
Das Lied fungiert als chronologischer Bericht und gleichzeitig als moralische Anklage. Es beschreibt:
Der Auslöser: Die unerträglichen Arbeitsbedingungen und die Weigerung der „Gelben“ (der Direktion), mit den Arbeitern zu verhandeln.
Die Solidarität: Die Bevölkerung von Dresden, insbesondere im Arbeiterviertel Löbtau, solidarisierte sich massiv mit den Streikenden.
Die Eskalation: Das Lied schildert die harten Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem herbeigerufenen Militär.
Das Pathos: Es betont den Stolz der Arbeiter, die sich nicht beugen lassen, auch wenn der Streik letztlich unterdrückt wurde.
Der historische Hintergrund: Der Dresdner Straßenbahnerstreik (1900)
Hinter den Versen steht einer der erbittertsten Arbeitskämpfe der wilhelminischen Ära:
Ursache: Die Angestellten der „Dresdner Straßenbahngesellschaft“ (die sogenannten „Roten“) und der „Deutschen Straßenbahngesellschaft“ (die „Gelben“) kämpften gegen 15-Stunden-Schichten, niedrige Löhne und das Verbot, sich gewerkschaftlich zu organisieren.
Verlauf: Der Streik begann am 19. August 1900. Als die Direktion versuchte, den Betrieb mit Streikbrechern aufrechterhalten, kam es zu Tumulten.
Die „Schlacht von Löbtau“: In Löbtau wurden Barrikaden errichtet und Schienen aufgerissen. Die Polizei ging mit äußerster Härte vor, unterstützt durch Infanterie. Es gab zahlreiche Verletzte und Massenverhaftungen.
Folgen: Der Streik scheiterte zwar vordergründig (viele Arbeiter wurden entlassen oder verhaftet), er gilt aber als Wendepunkt, da er die enorme Solidarisierungskraft der Arbeiterschaft demonstrierte und die Gründung des „Zentralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter“ befeuerte.
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Fontanefan: Im Großen Steinitz wird zu Nr.245, S.301 ein anderes Lied angeführt, das mit folgenden den Versen beginnt:
"Zu Löbtau sitzt bei ihrem Kinde / Die Frau des Arbeitsmanns und weint ..."
Zu dem zugrunde liegenden Ereignis heißt es auf S.305: "1898 [...] fand in dem Vororte von Dresden [...] ein Bauarbeiterstreik statt."
In der Wikipedia heißt es über die Zeit: "1881 erhielt Löbtau einen Pferdebahnanschluss nach Dresden, diese Strecke wurde 1900 elektrifiziert."
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