Wie viele ausgestorbene Sprachen sind bekannt, wie viele Schriften, die noch nicht entziffert sind, und wie viele Sprachen sind vom Aussterben bedroht?
In der Welt der Linguistik und Archäologie sind die Zahlen oft fließend, da ständig neue Entdeckungen gemacht werden oder Sprachen leider für immer verstummen. Hier ist der aktuelle Stand (2026):
1. Ausgestorbene Sprachen
Die genaue Anzahl historisch ausgestorbener Sprachen ist kaum zu beziffern, da viele Sprachen nie schriftlich festgehalten wurden.
Seit 1950: Die UNESCO dokumentiert etwa 230 bis 250 Sprachen, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts offiziell als ausgestorben gelten.
Gesamt: Schätzungen gehen davon aus, dass im Laufe der Menschheitsgeschichte bereits Zehntausende Sprachen verschwunden sind. Aktuell verschwindet statistisch gesehen etwa alle zwei bis vier Wochen eine weitere Sprache.
2. Unentzifferte Schriften
Es gibt eine Handvoll berühmter antiker Schriftsysteme, die Sprachwissenschaftler vor Rätsel stellen. Man unterscheidet meist zwischen etwa 10 bis 15 Hauptschriften, die noch nicht (oder nur teilweise) entziffert sind:
Indus-Schrift: Aus der Harappa-Kultur (ca. 2500 v. Chr.), eine der größten Herausforderungen.
Linealschrift A: Die Schrift der minoischen Kultur auf Kreta.
Rongorongo: Die geheimnisvollen Glyphen der Osterinsel.
Elamische Strichschrift: Zwar gab es hier 2020/2022 Durchbrüche, doch eine vollständige Entschlüsselung aller Texte steht noch aus.
Voynich-Manuskript: Ein illustriertes Buch aus dem Mittelalter, dessen „Sprache“ oder Code bis heute niemand knacken konnte.
3. Bedrohte Sprachen
Hier ist die Lage besonders alarmierend. Von den weltweit rund 7.000 gesprochenen Sprachen gelten:
Etwa 40 % bis 50 % als gefährdet. Das sind ca. 2.500 bis 3.000 Sprachen.
Akut bedroht: Rund 1.500 Sprachen werden laut Studien so selten an die nächste Generation weitergegeben, dass sie noch in diesem Jahrhundert verschwinden könnten.
Status: Die UNESCO unterteilt dies in Stufen von „gefährdet“ (Kinder sprechen sie nur noch zu Hause) bis „kritisch bedroht“ (nur noch die Großeltern-Generation beherrscht die Sprache bruchstückhaft).
Hinweis: Oft wird eine Sprache als „schlafend“ bezeichnet, wenn es keine Muttersprachler mehr gibt, aber Dokumentationen existieren, die eine Wiederbelebung (wie beim Hebräischen oder Kornischen) ermöglichen könnten.
Fontanefan: Sieh auch Donauschrift
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