Weltraumschrott

 Das Thema Weltraumschrott (Space Debris) ist mittlerweile ein kritisches Problem für die moderne Raumfahrt. In den erdnahen Umlaufbahnen (Low Earth Orbit, kurz LEO) befinden sich Millionen von Objekten – von ausgedienten Satelliten bis hin zu winzigen Lacksplittern.

Hier sind die zentralen Gefahren, die von diesen Gegenständen ausgehen:

1. Die enorme kinetische Energie

Das Hauptproblem ist nicht die Größe, sondern die Geschwindigkeit. Objekte im LEO bewegen sich mit etwa 28.000 km/h (ca. 7,8 km/s).

  • Selbst ein kirschgroßes Teilchen hat bei diesem Tempo die Einschlagskraft einer Handgranate.

  • Ein winziger Lacksplitter kann bei einem Aufprall tiefe Krater in die Fenster der ISS schlagen oder Schutzschilde durchschlagen.

2. Der Kessler-Syndrom-Effekt

Dies ist das Horrorszenario der Raumfahrt, benannt nach dem NASA-Wissenschaftler Donald Kessler.

  • Kettenreaktion: Wenn zwei große Objekte kollidieren, entstehen Tausende neue Trümmerteile.

  • Diese Trümmer erhöhen wiederum die Wahrscheinlichkeit für weitere Kollisionen.

  • Folge: Bestimmte Umlaufbahnen könnten so stark vermüllt werden, dass sie für Jahrzehnte oder Jahrhunderte unpassierbar werden.

3. Bedrohung für die kritische Infrastruktur

Wir sind im Alltag massiv von Satelliten im erdnahen Orbit abhängig. Eine Zunahme von Trümmerteilen gefährdet:

  • Kommunikation: Internet, Mobilfunk und TV-Signale.

  • Navigation: GPS-Systeme, die für zivile Luftfahrt und Logistik essenziell sind.

  • Erdbeobachtung: Wettervorhersagen und die Überwachung des Klimawandels.

4. Gefahr für die bemannte Raumfahrt

Für Astronauten auf der ISS oder in zukünftigen Raumstationen ist Weltraumschrott lebensgefährlich.

  • Die Station muss regelmäßig Ausweichmanöver fliegen, wenn ein bekanntes Trümmerteil ihren Kurs kreuzt.

  • Bei unvorhergesehenen Einschlägen besteht das Risiko eines plötzlichen Druckabfalls (Dekompression).


Aktuelle Daten zur Situation (Schätzungen der ESA)

ObjektgrößeGeschätzte Anzahl im OrbitRisiko
> 10 cmca. 36.500Totaler Verlust des Satelliten bei Kollision
1 cm bis 10 cmca. 1 MillionSchwere Schäden, kann Schutzschilde durchschlagen
1 mm bis 1 cmca. 130 MillionenFunktionale Schäden an Instrumenten

Was wird dagegen getan?

Es gibt bereits Ansätze wie "Space Debris Removal" (Müllabfuhr im All), bei denen Satelliten mit Netzen, Harpunen oder Roboterarmen eingefangen und zum Verglühen in die Atmosphäre gebracht werden. Zudem müssen neue Satelliten heute oft so gebaut sein, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer kontrolliert abstürzen.

Soll ich dir mehr zu einem bestimmten Projekt der "Weltraum-Müllabfuhr" (wie z. B. der ESA-Mission ClearSpace-1) heraussuchen?

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