Was sind häufige Methoden der Täuschung bei Graphiken (z.B. Säcke)?
Grafiken sind ein mächtiges Werkzeug, um Daten verständlich zu machen – aber sie sind auch hervorragend dazu geeignet, die Wahrheit „ein wenig zu dehnen“. Das von dir angesprochene Beispiel mit den Säcken (oder anderen Symbolen) ist ein Klassiker der optischen Täuschung.
Hier sind die gängigsten Methoden, mit denen in Grafiken getrickst wird:
1. Die Flächen-Falle (Zweidimensionale Skalierung)
Das ist genau das Phänomen mit den Säcken oder Geldbündeln. Wenn sich ein Wert verdoppelt, verdoppeln Grafiker oft sowohl die Höhe als auch die Breite des Symbols.
Der Trick: Da sich die Fläche eines Objekts quadratisch verhält, wirkt das rechte Symbol nicht doppelt so groß, sondern viermal so groß.
Noch extremer: Bei 3D-Objekten (wie Fässern oder Kugeln) wirkt das Volumen sogar achtmal so groß ($2^3$), obwohl der Wert nur verdoppelt wurde.
2. Die abgeschnittene Achse (Truncated Y-Axis)
Dies ist die wohl am häufigsten genutzte Methode in den Medien und der Politik, um kleine Unterschiede riesig wirken zu lassen.
Der Trick: Die vertikale Achse (Y-Achse) beginnt nicht bei Null, sondern kurz unter dem niedrigsten Datenpunkt.
Effekt: Ein minimaler Anstieg von 100 auf 105 sieht plötzlich so aus, als hätte sich der Wert verfünffacht, weil der Balken von einem kleinen Stumpf zu einer riesigen Säule wächst.
3. Manipulation der Achsen-Intervalle
Hierbei werden die Abstände auf den Achsen ungleichmäßig gestaltet, um Trends zu beschönigen oder zu dramatisieren.
Stauchung: Wenn man eine Kurve flacher wirken lassen will (z. B. bei steigenden Schulden), dehnt man die Zeitachse (X-Achse) extrem in die Länge.
Dehnung: Will man einen rasanten Anstieg suggerieren, staucht man die Zeitachse zusammen, sodass die Linie fast senkrecht nach oben schießt.
4. Die „Kirschenpflücker“-Methode (Cherry Picking)
Hier wird nicht die Grafik selbst manipuliert, sondern der gewählte Datenausschnitt.
Der Trick: Man zeigt nur einen sehr kurzen Zeitraum, in dem der Trend in die gewünschte Richtung geht.
Beispiel: Ein Aktienkurs kann über 10 Jahre massiv gefallen sein, aber wenn ich nur die letzten drei Tage zeige, in denen er sich leicht erholt hat, sieht es nach einer Erfolgsgeschichte aus.
5. Perspektivische Verzerrung (3D-Effekte)
3D-Tortengrafiken sind der Albtraum jedes Statistikers, da sie die Wahrnehmung von Proportionen völlig ruinieren.
Der Trick: Durch das Kippen der Grafik in eine 3D-Ansicht rücken bestimmte Segmente in den Vordergrund.
Effekt: Ein Tortenstück, das im Vordergrund liegt, wirkt deutlich massiver als ein gleich großes oder sogar größeres Stück, das „hinten“ liegt.
Zusammenfassung: Worauf man achten sollte
Um nicht auf diese Tricks hereinzufallen, hilft meist ein kurzer Check:
Beginnt die Y-Achse bei Null?
Sind die Proportionen der Symbole linear oder flächig/räumlich skaliert?
Fehlen wichtige Zeiträume oder Kontextinformationen?
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