Wann tauchte das Wort Deportation im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch auf?

 Das Wort Deportation hat eine lange Geschichte im Deutschen, wobei sich seine Bedeutung und die Häufigkeit seiner Verwendung über die Jahrhunderte stark gewandelt haben.

Hier ist die chronologische Entwicklung:

1. Die Entlehnung (16. Jahrhundert)

Das Wort wurde bereits im 16. Jahrhundert aus dem Lateinischen (deportatio) ins Deutsche übernommen. Ursprünglich war es ein rein juristischer Fachbegriff, der sich auf das römische Recht bezog. Damals bezeichnete es eine Form der lebenslänglichen Verbannung an einen bestimmten Ort (oft eine Insel oder ein abgelegenes Grenzgebiet), verbunden mit dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.

2. Der klassische Sprachgebrauch (18. & 19. Jahrhundert)

In dieser Zeit fand das Wort Eingang in den allgemeinen Bildungskanon, blieb aber weitgehend auf den Kontext des Strafvollzugs beschränkt.

  • Man sprach von Deportation, wenn europäische Mächte Kriminelle in Überseekolonien verschickten (z. B. Großbritannien nach Australien oder Frankreich nach Guyana).

  • In Deutschland wurde der Begriff eher deskriptiv für die Praktiken anderer Länder oder im Kontext der Rechtsgeschichte verwendet. Er war damals noch nicht so negativ aufgeladen wie heute, sondern galt als eine (wenn auch harte) Form der Strafe.

3. Die Zäsur durch den Nationalsozialismus (20. Jahrhundert)

Die massivste Prägung und die Aufnahme in den täglichen Wortschatz erfuhr der Begriff durch die Verbrechen der NS-Diktatur.

  • Widersprüchliche Nutzung: Interessanterweise vermied das NS-Regime das Wort „Deportation“ in der offiziellen Kommunikation mit der Öffentlichkeit oft und nutzte Euphemismen wie „Evakuierung“, „Umsiedlung“ oder „Abwanderung“.

  • Nach 1945: Erst in der Nachkriegszeit wurde „Deportation“ zum zentralen, moralisch schwer gewichteten Begriff im deutschen Sprachgebrauch, um die systematische Verschleppung von Juden, Sinti und Roma sowie politischen Gegnern in die Konzentrations- und Vernichtungslager zu benennen.

Zusammenfassung der Wortbedeutung

ZeitraumPrimäre BedeutungKontext
16. Jh.Juristischer FachbegriffRömisches Recht
18./19. Jh.StrafverbannungKolonialgeschichte (z. B. Straflager)
Seit 1945Systematische VerschleppungHolocaust / Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Heutzutage ist das Wort im Deutschen fast untrennbar mit dem Nationalsozialismus verbunden. Wenn es in aktuellen Debatten (z. B. im Kontext von Migration) verwendet wird, dient es meist dazu, eine geplante Maßnahme als besonders inhuman oder gewaltsam zu brandmarken.

Deportation (nach der Wikipedia)

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