Hauptaussagen von Kate Crawford: "Atlas of AI"
In ihrem Werk "Atlas of AI" (deutscher Titel oft im Kontext von „Empire of AI“ diskutiert) räumt Kate Crawford mit dem Mythos auf, dass Künstliche Intelligenz eine „abstrakte, ätherische Cloud-Technologie“ sei. Sie zeichnet stattdessen eine Landkarte der materiellen und sozialen Kosten.
Hier sind die fünf Hauptaussagen ihres „Atlas“:
1. KI ist weder künstlich noch intelligent
Crawford argumentiert, dass KI eine materielle Ressource ist.
Nicht künstlich: Sie basiert auf enormen Mengen an natürlichen Ressourcen (Lithium, Kupfer, Energie) und menschlicher Arbeit.
Nicht intelligent: Sie versteht nichts im menschlichen Sinne, sondern ist ein statistisches Verfahren, das auf der massiven Extraktion von Daten beruht.
2. Die Logik der Extraktion
Das Fundament der KI ist Raubbau. Crawford beschreibt eine Kette der Ausbeutung, die an den Minen beginnt und sich über die digitale Infrastruktur fortsetzt:
Natur: Die Zerstörung von Ökosystemen für die Hardware.
Arbeit: Die „Hidden Labor“ von Millionen Menschen (Clickworker), die Daten für Hungerlöhne sortieren und beschriften.
Daten: Die Erfassung fast jeder menschlichen Regung im Internet als „Rohmaterial“ für Algorithmen.
3. Verstärkung von Machtasymmetrien
KI-Systeme sind laut Crawford keine neutralen Werkzeuge, sondern Instrumente der Macht. Sie werden überwiegend von den mächtigsten Konzernen und Staaten entwickelt, um:
Menschen zu klassifizieren und zu überwachen.
Bestehende Vorurteile (Bias) in Algorithmen zu gießen und so Diskriminierung zu automatisieren.
Die Kontrolle über Arbeitsabläufe zu zentralisieren (Stichwort: algorithmisches Management).
4. Die Gefahr der Klassifizierung
Ein zentraler Punkt ist die Kritik an der automatisierten Einordnung von Menschen. Crawford zeigt auf, wie KI versucht, Emotionen zu lesen oder Kriminalität vorherzusagen. Sie warnt, dass diese Systeme oft auf pseudowissenschaftlichen Annahmen basieren (wie der Physiognomik), die Menschen in starre, oft diskriminierende Raster pressen.
[Image showing how AI facial recognition categorizes human emotions and traits]
5. Das Ende der Privatsphäre als Geschäftsmodell
KI benötigt Unmengen an Daten. Das führt dazu, dass die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum kollabiert. Alles – von unseren Gesichtern bis zu unseren intimsten Gesprächen – wird zum Eigentum der „KI-Imperien“, um deren Modelle zu trainieren.
Fazit
Crawfords Hauptaussage ist ein Weckruf: Wir dürfen KI nicht nur als technisches Problem betrachten. Wir müssen sie als eine politische und ökologische Krise verstehen, die den Planeten ausbeutet und demokratische Strukturen untergräbt.
Soll ich dir ein konkretes Beispiel aus dem Buch näher erläutern, etwa die Arbeitsbedingungen in den Daten-Zentren oder die ökologischen Auswirkungen der Chip-Produktion?
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