George Packers Togo-Erfahrung

 George Packers Zeit in Togo war prägend für seine gesamte Karriere als Journalist und Autor. Er verarbeitete diese Erfahrung in seinem ersten Buch, das heute als einer der ehrlichsten und unsentimentalsten Berichte über die Arbeit von Freiwilligen in Afrika gilt.

Hier ist eine Übersicht über seine Erlebnisse und das daraus entstandene Werk:

Die Erfahrung: Peace Corps in den 80ern

George Packer ging 1982 als junger Idealist mit dem Peace Corps nach Togo. Er war damals Anfang 20 und voller Tatendrang, wurde jedoch schnell mit der komplizierten Realität Westafrikas konfrontiert.

  • Ort: Er lebte und arbeitete in dem kleinen Dorf Lavié (was übersetzt ironischerweise „Warte ein wenig“ oder „Das Dorf des Wartens“ bedeutet).

  • Tätigkeit: Er war als Englischlehrer an einer lokalen Schule eingesetzt.

  • Kontext: Togo stand zu dieser Zeit unter der autoritären Herrschaft von Gnassingbé Eyadéma. Packer erlebte hautnah die Lähmung durch Bürokratie, Korruption und die kulturelle Kluft zwischen westlichen Entwicklungshelfern und der einheimischen Bevölkerung.


Das Buch: "The Village of Waiting"

Das 1988 erschienene Buch (deutscher Titel oft auch einfach The Village of Waiting) ist weit mehr als ein einfacher Reisebericht. Es gilt als Klassiker, weil es mit dem typischen „weißen Retter-Narrativ“ bricht.

Zentrale Themen des Buches

  • Desillusionierung: Packer beschreibt ehrlich seinen eigenen Misserfolg. Er merkt, dass sein Unterricht oft am Bedarf der Schüler vorbeigeht und dass das Bildungssystem vor Ort eher junge Menschen produziert, die keine Zukunft in den Städten finden und ihre Wurzeln im Dorf verlieren.

  • Die Last der Geschichte: Er reflektiert über den Kolonialismus und wie dieser die Psyche und die Gesellschaft Togos deformiert hat.

  • Politischer Stillstand: Das „Warten“ im Titel bezieht sich nicht nur auf den Namen des Dorfes, sondern auf den Zustand eines ganzen Landes, das unter einer Diktatur feststeckt und auf eine Veränderung hofft, die nicht kommt.

  • Kulturelle Isolation: Packer verschweigt nicht seine eigene Einsamkeit und das Gefühl, trotz aller Bemühungen immer ein Außenseiter zu bleiben.

„Packer schreibt mit einer Schärfe, die wehtut, weil sie sowohl das System als auch seine eigene Naivität gnadenlos seziert.“


Warum das Buch heute noch relevant ist

Während viele Berichte aus dieser Zeit entweder herablassend oder romantisch verklärt sind, bleibt Packer analytisch. Er stellt die fundamentale Frage, ob westliche Hilfe in dieser Form überhaupt sinnvoll ist. Für Packer war Togo der Startpunkt für sein lebenslanges Interesse an gescheiterten Staaten und der Dynamik von Macht und Ohnmacht, was sich später auch in seinen Werken über den Irakkrieg oder die USA (The Unwinding) widerspiegelte.

Wichtige Eckdaten zum Werk

MerkmalDetails
OriginaltitelThe Village of Waiting (1988)
GenreMemoir / Politischer Reisebericht
SchauplatzLavié, Togo
KernbotschaftDie Grenzen des Idealismus in einer korrupten, postkolonialen Welt.

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