George Packer über Colin Powell
Packer beschreibt Powell als jemanden, der in den stabilen Strukturen der US-Armee ein Zuhause und eine Umgebung fand, in der Leistung zählte und er trotz seiner Herkunft und Hautfarbe aufsteigen konnte. Er steht für eine Ära, in der Institutionen (wie das Militär) noch als soziale Aufzugsmechanismen funktionierten.
Der loyale Staatsdiener: Das Porträt betont Powells tief verwurzelte Loyalität gegenüber der Hierarchie. Packer zeigt auf, wie diese eigentlich positive Eigenschaft im politischen Washington der Bush-Ära zu einer Belastung wurde.
Die Rede vor dem UN-Sicherheitsrat (2003): Ein zentraler Moment in Packers Darstellung ist Powells berühmte Rede, in der er Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak vorlegte. Packer beschreibt dies als einen tragischen Wendepunkt: Powell, der innerlich skeptisch war, ließ sich von seiner Loyalität gegenüber der Regierung und seinem Vertrauen in den Geheimdienstapparat dazu verleiten, Informationen zu präsentieren, die sich später als falsch herausstellten.
Selbstverleugnung und Scheitern: Packer schildert Powell in dieser Phase fast mitleidig. Er stellt ihn als jemanden dar, der versuchte, innerhalb eines "kaputten" Systems (der Bush-Regierung) als Stimme der Vernunft zu agieren, dabei aber letztlich seine eigene Glaubwürdigkeit opferte und von den radikaleren Kräften (wie Dick Cheney oder Donald Rumsfeld) ins Abseits gedrängt wurde.
Insgesamt nutzt Packer Colin Powell, um zu zeigen, wie selbst eine integre Persönlichkeit in der "Abwicklung" der politischen Kultur Washingtons zerrieben wird, wenn die Institutionen, denen sie dient, ihre moralische Integrität verlieren.
In diesem
Kommentare
Kommentar veröffentlichen