Usha Patel, Matthew Weidner und die Großbank HSBC
Der Fall von Usha Patel, die von dem Anwalt Matthew Weidner vertreten wurde, gilt als einer der spektakulärsten Siege von Privatpersonen gegen eine Großbank (HSBC) im Zuge der US-Immobilienkrise.
Dass Patel am Ende nicht nur ihr Haus behalten durfte, sondern die Bank ihr zusätzlich eine hohe Summe zahlte, lag an einer Kombination aus juristischer Zermürbungstaktik und der Aufdeckung systematischer Fehler im Bankensystem.
Hier sind die entscheidenden Faktoren, die zum Vergleich führten:
1. Nachweis fehlender Klagebefugnis (Standing)
Der wichtigste Hebel war der Nachweis, dass die HSBC (die als Treuhänder für einen Verbriefungs-Trust auftrat) rechtlich gar nicht befugt war, die Zwangsvollstreckung durchzuführen. Weidner argumentierte erfolgreich, dass die Bank die Beweiskette der Eigentumsübertragung des Kredits nicht lückenlos darlegen konnte. In den USA müssen Banken das Original-Schuldscheindokument (Note) besitzen und die Übertragungen lückenlos nachweisen, was in der Hektik des Immobilienbooms oft versäumt wurde.
2. Aufdeckung von "Robosigning" und Dokumentenfälschung
Weidner und Patel konnten zeigen, dass die von der Bank vorgelegten Dokumente unzuverlässig waren. Dies war Teil des sogenannten Robosigning-Skandals, bei dem Bankmitarbeiter Tausende von eidesstattlichen Erklärungen und Abtretungen unterschrieben, ohne die Fakten jemals geprüft zu haben. Weidner deckte auf, dass Unterschriften auf Patels Dokumenten unter fragwürdigen Umständen geleistet worden waren.
3. Strategische Zermürbung (The "War of Attrition")
Anstatt sich auf einen schnellen Vergleich einzulassen, der Patel nur eine vorübergehende Ratenzahlung ermöglicht hätte, zog Weidner den Prozess über viele Jahre (ca. 2008 bis 2014) in die Länge. Er nutzte jede prozessuale Möglichkeit, um die Bank zur Offenlegung interner Prozesse zu zwingen (Discovery). Für die Bank stiegen die Prozesskosten und das Risiko eines für sie negativen Präzedenzfalls massiv an.
4. Das Risiko eines vernichtenden Urteils
Kurz bevor es zu einer endgültigen Entscheidung durch einen Richter kam, wurde der HSBC klar, dass sie den Fall wahrscheinlich krachend verlieren würde. Ein Urteil gegen die Bank hätte:
Den Beweis für systematischen Betrug geliefert.
Tausenden anderen Hausbesitzern eine Blaupause für ähnliche Klagen geliefert.
Die Bank möglicherweise Milliarden an Strafzahlungen in anderen Fällen gekostet.
Das Ergebnis des Vergleichs
Um ein solches Urteil zu verhindern, stimmte die HSBC 2014 einem für die Bank extrem schmerzhaften Vergleich zu:
Schuldenfreiheit: Die gesamte Hypothek von Usha Patel wurde gestrichen (sie erhielt das Haus "free and clear").
Schadensersatz: Die Bank zahlte ihr eine zusätzliche Entschädigungssumme (über die genaue Höhe wurde Stillschweigen vereinbart, Schätzungen gehen von einem sechsstelligen Betrag aus).
Anwaltskosten: Die HSBC musste die Kosten für Weidner übernehmen.
Hinweis: Dieser Fall wird oft als Beispiel dafür angeführt, dass Banken im Verbriefungsprozess von Krediten so schlampig arbeiteten, dass sie am Ende ihr rechtliches Eigentum an der Immobilie verloren.
Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie der "Robosigning"-Skandal die US-Rechtsprechung nachhaltig verändert hat oder wie man solche Dokumentenfehler heute erkennt?
Kommentare
Kommentar veröffentlichen