Emil Noldes Reise in die Südsee
Emil Noldes Reise in die Südsee (1913–1914) gilt als eines der prägendsten Ereignisse in seinem künstlerischen Schaffen. Auf der Suche nach einer unberührten Natur und dem „ursprünglichen Wesen des Menschen“ schloss er sich einer Expedition in die damaligen deutschen Kolonien an.
Rahmendaten der Reise
Zeitraum: Oktober 1913 bis September 1914 (etwa ein Jahr).
Begleitung: Er reiste zusammen mit seiner Frau Ada.
Anlass: Nolde nahm als zahlendes Mitglied an der „Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition“ teil, die im Auftrag des Reichskolonialamtes die Ursachen einer Epidemie untersuchen sollte.
Route: Die Hinreise führte über Sibirien, Korea, Japan und China bis nach Neuguinea.
Künstlerisches Schaffen vor Ort
Nolde arbeitete während der Reise unter oft schwierigen klimatischen Bedingungen (Hitze und Feuchtigkeit) extrem produktiv. Er schuf:
Aquarelle und Pastelle: Rund 250 Kreidepastelle und zahlreiche Aquarelle, darunter viele Porträts der einheimischen Bevölkerung.
Ölgemälde: Trotz der Schwierigkeit, die Farben trocknen zu lassen, entstanden 19 Ölgemälde.
Skulpturen: Nolde griff auf der Reise seine Ausbildung als Holzbildhauer wieder auf und schnitzte eine kleine Reihe von Skulpturen (z. B. „Mutter mit Kind“).
Eindrücke und Kontroversen
Nolde suchte das „Paradies“, wurde jedoch mit der Realität der Kolonialisierung konfrontiert. Er kritisierte etwa die riesigen Palmenplantagen, welche die ursprüngliche Natur verdrängten.
Gleichzeitig ist seine Reise heute Gegenstand kunsthistorischer Debatten:
Primitivismus: Wie viele Expressionisten seiner Zeit war Nolde von einer Sehnsucht nach dem „Urtümlichen“ getrieben, was heute kritisch im Kontext des Kolonialismus hinterfragt wird.
Sammlung: Trotz eines Verbots durch das Kolonialamt brachte Nolde eine Sammlung von Objekten (z. B. Malanggan-Figuren) mit nach Deutschland, die heute in der Nolde Stiftung Seebüll erhalten ist.
Die Reise endete abrupt mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, woraufhin Nolde über Umwege nach Deutschland zurückkehrte.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen